Skizzenbuch (12): Mawil

Mawils Skizzenbücher sind auch immer Tagebücher. Skizzen entstehen gelegentlich auch projektbezogen, meistens hält er aber Eindrücke fest, die er vor allem auf seinen vielen Reisen sammelt. Ob auf eigenen Touren wie seiner Fahrradtour durch Aserbaidschan, oder seine zahlreichen Workshop-Reisen: Viele Erlebnisse finden sich dann auch in seinen Comics wieder, die er seit fast zehn Jahren für den Tagesspiegel am Sonntag zeichnet. Dabei mischt er Zeichnungen mit Notizen und klebt auch mal ein Fundstück hinzu. Heute erlaubt Mawil einen Blick in aktuelle Aufzeichnungen der letzten Monate – wie immer auch in der Flickr-Galerie mit diesmal fast 50 (Doppel-)Seiten.

Wann hast Du mit den Skizzenbüchern angefangen? Gab es da einen bestimmten Grund?
Im Leistungskurs Kunst hat uns unsere ziemlich coole Lehrerin Frau Schreiter am Anfang des Schuljahres ein paar billige Skizzenbücher auf die Tische geknallt und gesagt: "Malt die mal bis zum Ende des Schuljahres voll, kann eure Note um eins nach oben oder unten korrigieren". Ich hab meins zwar erst kurz vor Notenschluss wieder hervorgeholt, dann aber möglichst effektiv auf irgendwelchen Wochenendticket-Reisen mit Hilfe anderer (Zeichner-)Freunde vollgemalt.

In Deinen Skizzenbüchern finden sich Zeichnungen und Texte nebeneinander. Zeichnest Du tendenziell eher Eindrücke und schreibst über Abläufe, oder wie trennst Du das?
Ich komm leider nur auf Reisen zum Skizzenbuchzeichnen und meistens schreib ich dann eher. Zum Zeichnen bin oft zu faul, seitdem das zum Beruf geworden ist. Die besten Skizzen entstehen in der grössten Langeweile und ohne Veröffentlichungsdruck.

Chris Ware hat seine Art Comics zu machen mal mit dem Schreiben verglichen. Ist das bei Dir auch so? Sind Comics für Dich eine Art Schrift?
Hä? Comics sind doch viel anstrengender als Schreiben. Da muss man sich doch voll den Kopf vorher drüber machen. Chris Ware macht sich bestimmt VOLL den Kopf.

Ist das Skizzieren für Dich mehr Übung, mehr Aufzeichnung oder eigentlich immer beides?
Eigentlich sollte es Übung sein, aber weil sich alle immer gegenseitig in die Bücher gucken wollen bzw sich gucken lassen wollen, muss man jede Seite irgendwie witzig oder zumindest durch Fleiss und schräge Ideen beeindruckend zuende bringen.

Womit skizzierst Du? Hast Du bevorzugtes Papier und Stifte? Ich erinnere mich an den pinken Edding, den Du immer dabei hattest, und dass Du im Ausland auch immer auf der Suche nach interessanten Stiften warst.
Am liebsten zeichne ich mit Bleistift. 2B. In den Skizzenbüchern darf das aber nich verwischen. Deswegen probier ich dafür im Augenblick diese Roller-Pen, die der Thomas Wellmann auch benutzt. Ausserdem steh ich total auf meinen kleinen Aquarellkasten und diese Pentel-Wasserpinsel. Beides passt neben dem A6-Skizzenbuch gut in die Jackentasche. Dabei kann ich garnich richtig aquarellieren und mal nur so aus. Und klar, im Ausland guckt man neben Platten und Schokoriegeln immer auch nach exotischen Stiften, leider sind die deutschen Firmen in Schreibwaren Exportmeister.

Gab es ungewöhnliche Orte, an Denen Du in Deine Kladde gezeichnet hast?
Hihi, sagt man echt noch Kladde ?
Einmal war ich bei einem Fussballspiel in einem richtigen Stadion in Porto Alegre. Die meiste Action spielte sich am anderen Ende des Spielfeldes ab, ungefähr einen Kilometer entfernt. Keine Ahnung wie die Leute um mich rum da sehen konnten, was jetzt ein Foul oder ein Tor war.

Könntest Du Dir vorstellen, Auszüge aus Deinen Büchern mal zu veröffentlichen? Später, wie bei Literaten die Tagebücher...
Ja, die "lustigen Festival- und Saufabenteuer der europäischen Comicfestival-Pilger". Hätt ich grosse Lust drauf. Kaufen bestimmt voll viele... Comiczeichner.

Mawil im Netz: mawil.netfacebooktwitter

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