Richard Thompson (1957-2016)

Am gestrigen MIttwoch verstarb der amerikanische Comic-Autor und Illustrator Richard Thompson. Als Illustrator und Cartoonist hatte Thompson sich bereits einen Namen gebracht, als er 2004 mit der Arbeit am großartigen Familien-Funny „Cul de Sac“ als wöchentlichem Strip für das Magazin der Washington Post begann. 2007 startete der Strip dann täglich in rund 70 Zeitungen, bis zu dessen Ende waren es rund 150., in denen er Montags bis Samstags erschien.

Im Zentrum stehen die quirlige vierjährige Alice und ihr neurotischer achtjähriger Bruder Pete Otterloop, ihre Eltern und Freunde und ihr Leben zwischen (Vor)Schule und Elternhaus in einer amerikanischen Kleinstadt. Eigentlich eine bekannte Konstellation, aber mit seiner genauen Beobachtungsgabe und endlosem Einfallsreichtum gewann Thompson dem bekannten Sujet immer neue Facetten ab. Dabei mag sein krakeliger Strich im ersten Moment spröde wirken und seine Strips enden selten in einem Schenkelklopfer, liest man sich erst einmal ein, zeigen sich darin aber genau die Stärken, die „Cul de Sac“ auszeichnen. Den humorigen Twists am Strip-Ende liess er nicht selten noch ein oder zwei weitere folgen, die nicht selbstzweckhaft drangeflanscht wurden, sondern sich aus den so unterschiedlichen Charakteren ergeben. Die Zeichnungen versuchen dabei nicht zu sehr, rund und hübsch dem Auge zu gefallen, sondern tragen noch das Erbe des politischen Cartoons in sich. Nicht ohne Grund steuerte Pat Oliphant ein Vorwort für eine „Cul de Sac“ Buchausgabe bei. „Calvin & Hobbes“-Autor Bill Watterson attestierte, dass der Strip „Süßlichkeit und Zynismus vermeide, und stattdessen seinen authentischen Charme aus der durchgedrehten Wertschätzung kleiner Begebenheiten zieht“. Wie jeder gute Strip fanden sich im Laufe der Jahre eine Reihe von Szenen, zu denen Thompson immer wieder zurückkehrte: Alices Performances auf dem Gullideckel, der groteske Kleinwagen des Vaters, Petes klägliches Oboenspiel oder seine Befürchtung, im Onlineranking der „World´s pickiest Eaters“ abzurutschen.

Bereits ein Jahr, nachdem „Cul de Sac“ als täglicher Strip gestartet war, wurde bei Thompson das Parkinsonleiden diagnostiziert, welches dazu führte, dass er den Strip nach rund fünf Jahren bereits wieder einstellen musste. Nun ist Richard Thompson an den Folgen der Erkrankung gestorben.

Es betrübt mich zutiefst, dass es diese Gelegenheit ist, um auf seinen bisher in deutscher Sprache unveröffentlichten Strip „Cul de Sac“ hinzuweisen, dessen zweibändige Gesamtausgabe gerade auf meinem Nachttisch liegt. So schade es ist, dass er seine Arbeit nicht fortsetzen konnte, so beglückend ist es, seine Strips heute zu lesen.

Unten noch eine 20-minütige Doku über Thompson aus dem Jahr 2014.


 

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Donnerstag, 28. Juli 2016

Jack Davis (1924–2016)

Im Alter von 91 Jahren ist der amerikanische Comiczeichner und Illustrator Jack Davis gestorben. Der am 2. Dezember 1924 in Atlanta, Georgia geborene Davis begann schon im Teenageralter Comics zu zeichnen und zu veröffentlichen, Anfang der 1950er heuerte er beim Verlag EC an, wo er zu einem der produktivsten Hauszeichner wurde. Rund 120 Kurzgeschichten und dazu dutzende Cover zeichnete er für „Vault of Horror“, „Tales from the Crypt“, „Haunt of Fear“, „Crime SuspenStories“ und „Incredible Science Fiction“. Einige Geschichten davon erschienen auch in deutscher Übersetzung, bekannter war er hierzulande aber als Mitarbeiter beim MAD Magazine, dem Witz- und Satireblatt, für das er als Gründungsmitgleid der „Usual Gang of Idiots“ ebenfalls Cover und Illustrationen beisteuerte.

Das Oeuvre Davis' ist enorm umfangreich, die Liste der Magazine, für die er im Lauf der Jahrzehnte arbeitete, ist endlos und umfasst weitere Humorpublikationen wie „Yuk Yuk“, „Humbug“ oder „Cracked“, weitere Magazine wie „Esquire“, „Time“, „Playboy“ und „TV Guide“, Kinoplakate, Plattencover und Werbeillustrationen. Er beherrschte die groteske Überzeichnung, wie in seinen Horror- und Humorveröffentlichungen, ebenso wie die eher zurückhaltende Karikatur seiner vielen anderen Arbeiten. In den USA wuchsen Generationen mit Jack Davis' Bildern auf, sein Stil wurde vielfach kopiert. Erst mit 90 Jahren zog sich Davis aus dem Zeichnerberuf zurück.

Weitere Galerien mit Arbeiten von Jack Davis finden sich unter anderem hier, hier, hier und hier.

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Foto Jack Davis CC BY-SA 4.0 Aircornell

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Donnerstag, 28. Juli 2016

Residenz in Kaunas

Noch bis Mitte September läuft die Bewerbung für die Kaunas Comics Residency. Die sehr netten Comic-AktivistInnen von Kitokia Grafia laden dazu eine/n Comic-KünstlerIn im November ins eigene Studio in Litauen ein, um vor Ort an eigenen Projekten zu arbeiten und sich mit der lokalen Szene auszutauschen. Die Reisekosten werden übernommen, die Unterkunft gestellt, einzige Bedingung ist, daß während des Aufenthalts ein Comic mit Bezug zu Kaunas erstellt werden muss. Das Studio-eigene Equipment, darunter eine Riso-Maschine und Geräte zum Schneiden und Binden, können verwendet werden.

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Mittwoch, 27. Juli 2016

Comicademy steht zum Verkauf

Die Aus- und Weiterbildungsplattform für ComiczeichnerInnen Comicademy steht zum Verkauf. Vor etwas über zehn Jahren gegründet. wurden unter anderem 12-monatige Teilzeitkurse angeboten. Zuletzt gab es im vergangenen Jahr einen Storytelling-Workshop in Köln mit Spong und Ralf König, danach war es still um die Comicademy geworden. Im vergangenen August waeren neue Schulungskonzepte angekündigt worden, neue Online-Tutorials, Screencasts und Webinare geplant. Daraus wird nun nichts, wie auf der facebook-Seite lapidar mitgeteilt wird, ist man auf der Suche nach potenziellen KäuferInnen.

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Mittwoch, 27. Juli 2016

Fumetto-Wettbewerb 2017

Bis zum nächsten Fumetto ist es noch ein gutes Dreiviertel Jahr, aber schon jetzt ist wieder Zeit für den alljährlichen Comic-Wettbewerb:

Die Fakten: Drei Altersgruppen (bis 12, 13 bis 17, 18+), maximal vier Seiten, Thema: „Welten“, Preise zuletzt im Wert von 5.000 SFr, Einsendeschluss 2. Januar 2017. Weitere Infos hier.

Die Jury: Annette Schindler (Direktorin Fantoche – Internationales Festival für Animationsfilm, Baden / Schweiz), Sharad Sharma (Comic- Zeichner & Gründer des World Comics Network, Delhi / Indien), Steve Michiels (Karikaturist / Prof. Illustration, Hochschule der Künste Luca, Gent / Gelgien), Isabelle Pralong (Comic-Zeichnerin / Prof. Illustration & Comic an der CFPAA, Genf / Schweiz), Alice Grünfelder (Lektorin, Zürich / Schweiz). Das Flyermotiv stammt von Amadeo Gonzales

Die GewinnerInnen der letzten beiden Jahre (zumindest in der Alterskategorie 18+) kann man sich hier ansehen: 20152016.

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Mittwoch, 27. Juli 2016

„Belladonna“ – Neuveröffentlichung angekündigt

Während in den USA Ralph Bakshi („Fritz the Cat“, „Die Welt in 10 Millionen Jahren“) und in Frankreich René Laloux („Der wilde Planet“) in Zusammenarbeit mit Comic-Künstlern Animationsfilme für Erwachsene drehten, versuchte sich in Japan Osamu Tezuka an einer Trilogie von Animationsfilmen für Erwachsene. 1969 war er an „1001 Nacht“ und 1970 an „Cleopatra“ als Co-Produzent, -Autor und -Regisseur beteiligt, zog sich dann aber aus dem Filmgeschäft zurück und überließ Eiichi Yamamoto, der auch an den Verfilmungen von „Astro Boy“ und „Kimba, der weiße Löwe“ beteiligt war, den dritten Teil: „Belladonna“ (bzw. „Die Tragödie der Belladonna“) kam 1973 in die Kinos.

Am Vorabend der französischen Revolution wird das schöne Bauernmädchen Jeanne von einem tyrannischen Fürsten vergewaltigt. In ihrer leidvollen Qual erscheint Jeanne der Teufel in Phallusform und verwandelt ihre Angst in sexuelle Hingabe, um sie in seinen Bann zu ziehen. Ihre neugewonnene diabolische Macht erzeugt respektvolle Furcht unter den Dorfbewohnern. Aber jeder, der seine Seele an den Teufel verkauft, wird einmal den Preis dafür zahlen…

Wie die Inhaltsangabe schon andeutet, ist das nichts für Kinder: Großzügige Sex- und Gewaltdarstellungen prägen den Film (siehe auch den Trailer unten). Yamamoto schöpfte dabei nach den eher konventionell erzählten und animierten Vorgängern aus dem Vollen, verzichtete zum Teil auf gradlinige Narrative und filmte traumartige, mitunter aquarellierte Sequenzen. Hauptsprecher sind neben der bis heute aktiven Schauspielerin Aiko Nagayama der aus vielen Filmen Akira Kurosawas („Die sieben Samurai“, „Ran“) bekannte Tatsuya Nakadai. Der Soundtrack stammt von Masahiko Satoh, der später auch an „Die letzten Glühwürmchen“ beteiligt war.

Eigentlich ist der Film hierzulande seit Jahren erhältlich, aber weil nun eine Neuauflage von „Belladonna“ angekündigt wurde, nutze ich die Gelegenheit, um auf den Film hinzuweisen. „Belladonna“ wird jetzt als 4K-BluRay aufgelegt, basierend auf der restaurierten und um acht Minuten ergänzten US-Fassung, die derzeit noch durch nordamerikanische Kinos tourt. Erscheinungstermin ist der 4. November – ein Kinostart wäre hier auch schwer wünschenswert.


(via sumikai.com)

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Dienstag, 26. Juli 2016

„Gaston“ – Ausstellung in Paris

Am 7. Dezember eröffnet in Paris eine umfangreiche Ausstellung zu „Gaston“ im Centre Georges Pompidou. Gezeigt werden Originalseiten und Erstausgaben, darüber hinaus Fotos, Filme und weitere Artefakte. Speziell für diese Ausstellung werden einige von Gastons Erfindungen nachgebaut und ausgestellt, darunter der Rasenmäher, der Blumen umfährt, und die Mäuserüstung zum Schutz gegen Katzen. Die 1957 von André erschaffene Figur feiert im kommenden Jahr 60. Geburtstag.

Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog erscheinen. Im Herbst beginnt in Frankreich zudem die Neuausgabe sämtlicher „Gaston“-Alben, die dann in restaurierter Farbfassung vorgelegt werden.

Das Centre Georges Pompidou hat in der Vergangenheit mehrfach Comic-Ausstellungen gezeigt, darunter zuletzt eine Retrospektive zu Claire Brétecher und bereits 1997 eine Ausstellung zu Hergé. Der Erfinder von „Tim und Struppi“ wird, wie berichtet, in Kürze ebenfalls mit einer Ausstellung geehrt. Das Grand Palais zeigt ab dem 28. September und bis zum 15. Januar 2017 Originale, Illustrationen und viele weitere Exponate zum Leben und Werk von Hergé. Die „Gaston“-Ausstellung wird bis zum 10. April 2017 zu sehen sein.

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Dienstag, 26. Juli 2016