„Mein Weg in die Freiheit“

In der heutigen Ausgabe der Rheinischen Post wird auf zwei Seiten ein Comic abgedruckt: In der auch online veröffentlichten Geschichte „Mein Weg in die Freiheit“ beschreibt Davood A., wie und warum er vom Iran nach Deutschland floh. Derzeit arbeitet er als Praktikant bei der Zeitung und konnte in diesem Rahmen den Comic umsetzen. (Dazu ein begleitender Artikel und ein Hintergrundbericht) Ein guter Ansatz: Die Betroffenen selbst erzählen lassen. Auf die neu Angekommenen zu hören, ist überhaupt eine gute Idee, denn wenn sich Informationsangebote an sie richten, sollte das auf Augenhöhe geschehen. Nicht umsonst erfreut sich die von Geflüchteten gegründete Zeitung Abwab (Türen) großer Beliebtheit und erscheint mit einer Auflage von über 70.000 Exemplaren. Integration ist keine Einbahnstraße.

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Donnerstag, 30. Juni 2016

Comic-Cons bereichern Festivalkalender

Am vergangenen Wochenende fand also die Comic Con Germany statt und mehr als bei den bisherigen Cons, werden in Blogs und sozialen Medien die Tage in den Messehallen zum Anlass genommen, ein erstes Fazit zu ziehen und über Cons allgemein nachzudenken. Die harten Zahlen sind erstaunlich: Rund 50.000 BesucherInnen wurden allein in Stuttgart gezählt, was ungefähr dem Zweifachen der Besucherzahl des Comic-Salons Erlangen entspricht – und diese werden schon als recht großzügig gezählt eingeschätzt. Bereichern die Cons nun abseits des Publikumsinteresses die Festivallandschaft oder erweisen sie den Comics, denen sie ihren Namen verdanken, einen Bärendienst?

Was auf den Cons selbst passiert, fasst sehr schön comic.de im Bericht zum vergangenen Wochenende zusammen. Denn selbst auf dieser Plattform, auf der man dem Con-Konzept und dem Zielpublikum nahe steht, reibt man verwundert die Augen und fasst das, Geschehen unter dem Begriff „Popkultur-Kaufhaus“ zusammen. Weiteren Berichten derjenigen zufolge, die vor Ort waren, eine passende Einschätzung: Zahlt man den geforderten Eintritt, werden im Wesentlichen vielfältige Geldausgebe-Möglichkeiten angeboten: Eingeflogene Schauspieler fordern bis zu dreistellige Beträge für Fotos und Unterschriften, 20 Euro für eine Signatur scheinen die Untergrenze gewesen zu sein. Verlagsstände und Merchandise-Händler bieten die Rundumausstattung für Entertainment-Interessierte an und an den Künstlertischen kann Handgemachtes und Selbstproduziertes erstanden werden. Und wenn selbst Panel-Veranstaltungen nur nach Entrichtung einer zusätzlichen Gebühr besucht werden können, bleiben die Möglichkeiten, sich neben dem Eintritt gratis auf den Cons unterhalten zu lassen, überschaubar.

Ja und? Nichts anderes war zu erwarten – und trotzdem kamen Zehntausende.

Stimmen, die die Veranstaltung rundheraus ablehnen, sind mir bisher nicht untergekommen, Cons kündigen bereits Termine für 2017 an und weitere Veranstaltungen solcher Art würden nicht überraschen. Das Konzept Comic Con scheint soweit auch im deutschsprachigen Raum angenommen zu werden.

Für Künstlerinnen und Künstler bieten sich hier weitere Möglichkeiten, mit der eigenen Arbeit Geld zu verdienen, wenn an den Ständen Comics, Zeichnungen und Drucke verkauft werden. Das bringt eigene Problemstellungen mit sich, wenn sich zu sehr auf etablierte Figuren verlassen wird (was auch rechtlich fragwürdig ist) und Independent-ZeichnerInnen sich gegenüber dem auf eigenen Veranstaltungen bisher viel besser etablierten Manga-Künstlern ein größeres Publikum erarbeiten müssen. Auf der Stuttgarter Con zumindest gab es hier einen sichtbaren Unterschied seitens des Publikumsinteresses (Korrektur: Das verlinkte Foto zeigt den Kontrast zwischen Händler- und Künstlerbereich. War letzterer auch offenbar weniger stark besucht, waren viele KünstlerInnen doch ausdauernd beschäftigt, siehe unten). Vielleicht ist es noch zu früh, um weitere Schlüsse zu ziehen, da sich der Con-Zirkus erst noch etablieren muss. Ein Blick in die USA deutet aber an, was es für ZeichnerInnen bedeuten kann, wenn  Cons mit individuellen Zeichnertischen weiter Fuß fassen: Da werden neue Märkte und Verdienstmöglichkeiten erschlossen, die Einnahmen auf den Conventions wichtiger Bestandteil des eigenen Verdiensts als Zeichner und Illustrator. Liest man Berichte von anwesenden ZeichnerInnen, scheint das nicht unwahrscheinlich. Dass das zu mehr Comics führt und nicht nur zu Comfort Food bleibt zu hoffen.

Vielleicht finden auch die Verlage Möglichkeiten, sich hier stärker einzubringen und weiter herauszustellen, wer die Inhalte liefert, auf dem Vieles, das soweit das große Publikum anzieht, basiert. Schließlich werden nicht zuletzt die Comics sehr gut an-, dass heisst: abgenommen. Neben Messe-Specials und Signaturen am Stand sind beispielsweise Programm-Ankündigungen oder Veranstaltungen, die Comics und ihre Adaptionen in anderen Medien zusammenbringen, denkbar.

Ob Comic Cons, Festivals, Börsen oder Manga-Veranstaltungen: Sie haben alle ihre eigenen Schwerpunkte – Entertainment-Stoffe, Kulturprogramm, Sammlungsvervollständigung, Cosplay (und viele weitere Manga-spezifische Punkte) und stehen sich nicht gegenseitig im Weg. Natürlich gibt es bei Programm und Publikum Überschneidungen – und Konsum steht bei fast allen Events mindestens mit im Vordergrund –, eine Wanderung von einer zur anderen Event-Form ist bisher aber nicht zu beobachten. Bis jetzt wird immer mehr Publikum mit Inhalten erreicht, die auf Comics zumindest basieren, das ist sehr zu begrüßen, daran kann man ansetzen.

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Foto © Daniel Dornhöfer - Comic Con Germany

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Mittwoch, 29. Juni 2016

Calvin & Hobbes in 3D

Nachdem der Pariser Gabriel de Laubier mit einem „Peanuts“-Strip schon einmal ausprobierte, wie es aussieht, wenn man einen Comic dreidimensional umsetzt, hat er nun mit einem Sonntagscomic von „Calvin & Hobbes“ nachgelegt. Eine nette Spielerei, ein weitere Idee für den in seinen Möglichkeiten bisher bei Weitem nicht ausgeschöpften Online-Comic – und erstmal schön anzusehen.

(via nerdcore.de)

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Mittwoch, 29. Juni 2016

Jahresrundgänge an Hochschulen

Zum Semesterabschluss präsentieren auch in diesem Jahr in vielen Städten die Studierenden unterschiedlicher Fächer ihre Arbeiten der vergangenen Monate, darunter oft auch Bachelor-, Master und Diplomarbeiten. Das gilt natürlich auch für die vielen Illustrationsklassen, die an den kommenden Wochenenden bundesweit einladen, die Universitäten und Fachhochschulen zu besuchen.

Auch wenn man noch auf den Studiengang Comic warten muss, entstehen an vielen Orten bemerkenswerte Comics und Artverwandtes. Aisha Franz, Mawil, die "Spring"- und "Orang"-Gruppen und noch viele mehr haben diesen Hochschulhintergrund, einige wie eben Aisha Franz, Kai Pfeiffer oder Mawil geben ihr Wissen inzwischen auch an den Hochschulen weiter. Grund genug, sich auf die Rundgänge genannten Ausstellungen zu begeben und nachzuschauen, was dort entsteht. Auch abseits der Comic-Arbeiten gibt es dabei immer wieder spannende Arbeiten zu entdecken.

Los geht es an der HAW Hamburg, an der die Fakultät DMI von Freitag, dem 7. bis Sonntag, dem 9. Juli die Türen für die Sommerausstellung (facebook) öffnet. Studierende der Fachbereiche Design, Medien und Information zeigen unter anderem Brand Design, Malerei, Editorial Design, Fotografie, Siebdruck, Videokunst, Holzschnitt, Radierungen, Illustrationen, Comic und Comicdesign, Landschaftszeichnungen, Interaction Design, Wissenschaftsillustrationen und informative Illustration.

Weiter geht es ab Mittwoch, dem 13. Juli an der Kunsthochschule Kassel. Der diesjährige Rundgang steht ganz im Zeichen des Kochens und Essens, fächerübergreifend sind hier „kulinarische Interaktionen“ zu erwarten. Gezeigte Arbeiten stammen aus den Studiengängen Bildende Kunst, Visuelle Kommunikation, Produktdesign, Kunstpädagogik und Kunstwissenschaft.

Das Wochenende in der Julimitte hat es in sich, dann präsentieren sich noch viele weitere Studierende: Am Freitag, dem 15. Juli eröffnet die Diplomausstellung 2016 an der HGB Leipzig mit dem alljährlichen Sommerfest samt DJs, Bar und Barbecue. Gezeigt werden Abschlussarbeiten der Fächer Malerei/Grafik, Fotografie, Buchkunst/Grafik-Design und Medienkunst, die bis zum 13. August zu sehen sein werden.

Ebenfalls am 15. Juli wird unter dem Titel „parcours“ die Abschlussausstellung der interdisziplinären Studiengänge an der Münster School of Design eröffnet: „Kommunikation. Medien. Produkt. Illustration.“. Studierende der MSD veröffentlichten die in diesem Jahr mit dem Max und Moritz-Preis für die Beste studentische Publikation ausgezeichnete Anthologie „Wunderfitz“. Letztes Jahr interviewte Philipp Spreckels gleich drei AbsolventInnen, die an Comics arbeiteten – da geht also was im Münsterland.

Rundgang Hamburg

Am selben Tag öffnet auch die BTK Hochschule für Gestaltung in Hamburg-Altona ihre Pforten. Beim Rundgang präsentieren sich die Studiengänge Fotografie, Illustration, Kommunikationsdesign sowie Motion Design.

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm samt Jazzfrühstück erwartet die BesucherInnen ebenfalls ab dem 15. Juli bei der Jahresausstellung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Hier werden nicht nur Arbeiten der Studierenden gezeigt, eine Modenschau gezeigt und Studieninteressierte durch die Burg geführt, sondern auch der Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse verliehen und die Nominierungen für den GiebichenStein Designpreis 2016 bekanntgegeben.

Freitag, der 15. Juli ist auch der Eröffnungstag der Ausstellung der Abschlussarbeiten der Kunsthochschule Weißensee in Berlin. AbsolventInnen der Fachgebiete Bildhauerei, Bühnen- und Kostümbild, Malerei, Mode-Design, Produkt-Design, Raumstrategien, Textil- und Flächen-Design, Visuelle Kommunikation und Künstlerische Grundlagen zeigen ihre Arbeiten dann bis zum 28. Juli unter dem Titel „HOORAY ET LABORA!“ im zentral an der Brunnenstraße gelegenen Kaufhaus Jandorf.

Von Freitag, dem 21. Juli, bis Sonntag, dem 23. Juli zeigen Studierende der Muthesius Kunsthchschule Kiel ihre Arbeiten unter dem Titel „Einblick – Ausblick“.

Nicht nur in Halle, auch an den anderen Hochschulen besteht das Programm in der Regel nicht nur aus einer reinen Ausstellung, sondern wird meistens mit Präsentationen, geführten Rundgängen und Parties kombiniert. Über die genauen Abläufe informieren die einzelnen Websites, sofern das jeweilige Programm schon veröffentlich wurde.

Diese Liste ist nicht vollständig, sondern umfasst nur die üblichen Verdächtigen der Hochschulen, an denen Comics eine Rolle spielen. Ob andernorts auch spannende Comic-Arbeiten entstehen? Hier geht es zu Liste der Illustrationsklassen deutschlandweit mit Links zu deren Websites, auf denen eventuelle Rundgangstermine bekannt gegeben werden.

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Abbildung oben von der facebook-Seite der Muthesius Kunsthochschule

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Dienstag, 28. Juni 2016

Splitter: Neuheiten im Herbst 2016/2017

Im Laufe der vergangenen Woche hat Splitter die kommenden Titel des Herbst- und Winterprogramms bekannt gegeben, weiterhin werden beim Bielefelder Verlag jeden Monat 14 Titel erscheinen. Während frankobelgische Albenstoffe weiterhin dominieren, werden auch wieder eine Reihe von Stoffen aus Nordamerika angekündigt (darunter „Black Magick“ von Greg Rucka & Nicola Scott), beziehungsweise fortgesetzt. Mit Noelle Stevensons „Nimona“, einem Sammelband des in den USA sehr erfolgreichen Fantasy-Komödien-Webcomics, legt Splitter zudem den ersten Band des neuen Labels Minisplitt vor, in dem zukünftig Comics im kleineren Format als der für den Verlag typischen Alben- oder Zwischengröße erscheinen sollen. „Nimona“ wird zudem als Softcover vorgelegt – ebenfalls eine Neuerung.

Nachdem früher schon Comics zur Computerspiel-Serie veröffentlicht wurden (bei Splitter, Panini und Tokyopop), wird die neue „Assassin´s Creed“-Reihe passend zur Verfilmung mit Michael Fassbender erscheinen, die im kommenden Jahr in die Kinos kommt.

Ein Titel deutscher AutorInnen findet sich unter den Ankündigungen: Derzeit sind Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer an Bord eines Rettungsschiff der auf die Rettung von Schiffbrüchigen spezialisierten Hilfsorganisation SOS Mediteranée unterwegs und begleiten einen Hilfseinsatz im Mittelmeer. Ihre Eindrücke halten sie auf einem Blog fest, das daraus entstehende Buch „Liebe Deinen Nächsten“ erscheint im April kommenden Jahres.

Sieben neue Serien starten im Winterhalbjahr, darunter zwei Serien mit japanischem Bezug von Autor Jean-François Di Giorgio: „Sensei“ (Zeichnungen: Vax) sowie das Spin-Off „Samurai Legenden“  (Zeichnungen: Cristina Mormile). Mit berühmten Mordfällen befasst sich „Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit“-Autor Serge Le Tendre in einer neuen Serie, den Anfang macht die biblische Brudermordgeschichte von Kain und Abel in „Ich habe Abel getötet“.  Im Cartoon- und Funny-Label Toonfisch werden fünf Titel angekündigt, darunter der erste Band einer Gesamtausgabe des Funny-Klassikers „Die Schlümpfe“.

Alle Neuheiten von Splitter im Überblick:

November
„Assassin’s Creed, Band 1“ von Del Col, Anthony / McCreery, Conor / Edwards, Neil,| ISBN: 978-3-95839-416-2, HC, 144 Seiten, € 19,80 [D] € 20,40 [A]
„Assassin’s Creed, Band 1“ (Variant Edition - limitiert auf 666 Ex.) von Del Col, Anthony / McCreery, Conor / Edwards, Neil, ISBN: 978-3-95839-417-9, HC, 144 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Badlands, Band 2 | Der mit dem Grizzly tanzt“ von Corbeyran, Eric / Kowalski, Piotr, ISBN: 978-3-95839-031-7, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Dan Cooper, Gesamtausgabe 4“ von Weinberg, Albert, ISBN: 978-3-95839-345-5, HC, 208 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Deepwater Prison, Band 3 | Flucht“ von Bec, Christophe / Raffaele, Stefano, ISBN: 978-3-95839-019-5, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Durango, Band 17 | Jessie“ von Swolfs, Yves / Iko, ISBN: 978-3-95839-459-9, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Ekhö – Spiegelwelt, Band 5 | Das Geheimnis der Preshauns“ von Arleston, Christophe / Barbucci, Alessandro, ISBN: 978-3-95839-164-2,HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Elfen, Band 13 | Glücklich der tote Krieger“ von Peru, Olivier / Bileau, Stéphane , ISBN: 978-3-95839-241-0, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Götterdämmerung, Band 9 | Yggdrasil“ von Jarry, Nicolas / Djief, ISBN: 978-3-86869-671-4, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Lazarus, Band 4“ von Rucka, Greg / Lark, Michael, ISBN: 978-3-95839-221-2, Book, HC, 144 Seiten, € 22,80 [D] € 23,40 [A]
„Namibia, Episode 5“ von Léo / Rodolphe, Daniel / Marchal, Bertrand, ISBN: 978-3-95839-318-9, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Nimona“ von Stevenson, Noelle, ISBN: 978-3-95839-960-0, HC, 272 Seiten, € 19,95 [D], € 20,50 [A]
„Die Schiffbrüchigen der Zeit, Band 9 | Wege des Vergessens“ von Forest, Jean-Claude / Gillon, Paul, ISBN: 978-3-95839-108-6, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Der Dunkle Turm, Band 14 | Drei – Die Herrin der Schatten“ von King, Stephen / Furth, Robin / David, Peter / Marks, Jonathan, ISBN: 978-3-95839-054-6, HC, 144 Seiten inkl. Druck, € 29,80 [D] € 30,70 [A]

Dezember
„Aeropostal – Legendäre Piloten, Band 3 | Paul Vachet“ von Bec, Christophe / Dumas, Patrick A., ISBN: 978-3-95839-121-5, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Alice Matheson, Band 3: Rettet Amy“ von Istin, Jean-Luc / Vandaële, Philippe, ISBN: 978-3-95839-302-8, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Black Science, Band 2 | Willkommen, nirgendwo“ von Remender, Rick / Scalero, Matteo / White, Dean, ISBN: 978-3-95839-376-9, HC, 152 Seiten, € 22,80 [D] € 23,40 [A]
„Ferne Welten, Episode 1“ von Leo / Icar, ISBN: 978-3-95839-470-4, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Gloria Victis, Band 3 | Nemesis“ von Fernández, Juanra / Guerrero, Mateo, ISBN: 978-3-95839-125-3, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Der Henker, Band 1 | Göttliche Gerechtigkeit“ von Gabella, Mathieu / Carette, Julien, ISBN: 978-3-95839-475-9, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Die Maske des Fudo – Die Legende der scharlachroten Wolken (Prequel): Band 1 | Nebel“ von Tenuta, Saverio, ISBN: 978-3-95839-463-6, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Morea, Band 7 | Der Zorn der Engel“ von Latil, Dominique / Libessart, Laurent, ISBN: 978-3-95839-385-1, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Murena, Band 2 | Kapitel 3 + 4: Mutterliebe / Die Todgeweihten“ von Dufaux, Jean / Delaby, Philippe, ISBN: 978-3-95839-380-6, HC, 128 Seiten, € 24,80 [D] € 25,50 [A]
„Odyxes, Band 2 | Gestrandet im Sandmeer“ von Arleston, Christophe / Lejeune, Steven, ISBN: 978-3-95839-076-8, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Die Opalwälder“ von Arleston / Pellet, Philippe, Gesamtausgabe 1 (Bd. 1 – 3), ISBN: 978-3-95839-431-5, HC, 144 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Roma, Buch 3 | Tötet Cäsar“ von Adam, Eric / Boisserie, Pierre / Convard, Didier / Annabel (Bd. 3), ISBN: 978-3-95839-364-6, HC, 64 Seiten, € 15,80 [D] € 16,20 [A]
„Die Schwarzen Moore“ von Bec, Christophe, ISBN: 978-3-95839-427-8, HC, 64 Seiten, € 15,80 [D] € 16,30 [A]
„Tomboy“ von Hill, Walter / Matz / Jef, ISBN: 978-3-95839-414-8, HC, 128 Seiten, € 24,80 [D] € 25,50 [A]

Januar 2017
„Carthago Adventures, Band 4 | Amarok“ von Bec, Christophe / Kovacevic, Drazen, ISBN: 978-3-86869-763-6, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Chimaira 1887, Band 5 | Freund Oskar“ von Arleston, Christophe / Melanÿn / Vincent, ISBN: 978-3-86869-515-1, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Dan Cooper, Gesamtausgabe 5“ von Weinberg, Albert, ISBN: 978-3-95839-346-2, HC, 208 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Durango, Gesamtausgabe 1 (Bd. 1 – 3)“ von  Swolfs, Yves, ISBN: 978-3-95839-454-4, HC, 144 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Freaks’ Squeele, Band 4 | Pizza Sukkubus“ von Maudoux, Florent, ISBN: 978-3-95839-092-8, HC, 144 Seiten, € 22,80 [D] € 23,40 [A]
„Königliches Blut – Alienor, Band 3“ von Delalande, Arnaud / Mogavino, Simona / Gomez, Carlos, ISBN: 978-3-95839-335-6, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Die Legende der Drachenritter, Band 21 | Die Axt von Ishtar“ von Martino, Stefano; Roudier, Emmanuel; Sentenac, Alexis; De Rochebrune, Thibaud; Collignon, Stéphane, ISBN: 978-3-95839-065-2, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Die Meister der Inquisition, Band 3 | Nicolaï“ von Popescu, Augustin, ISBN: 978-3-95839-211-3, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Meta-Baron, Band 2 | Khonrad, der Anti-Baron“ von Jodorowsky, Alejandro / Sécher, Valentin, ISBN: 978-3-95839-180-2, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Ringo, Gesamtausgabe 2“ von Duchâteau, André-Paul / Vance, William, ISBN: 978-3-95839-341-7, HC, 96 Seiten, € 22,80 [D] € 23,40 [A]
„Die Schiffbrüchigen der Zeit, Band 10 | Die große Plage“ von Forest, Jean-Claude / Gillon, Paul, ISBN: 978-3-95839-109-3, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Die Welten von Thorgal – Thorgals Jugend, Band 4 | Berserker“ von Yann / Surzhenko, Roman, ISBN: 978-3-86869-397-3, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Warship Jolly Roger, Band 3“ von Runberg, Sylvain / Montlló, Miki, ISBN: 978-3-95839-115-4, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Wika, Band 2 | Wika und die schwarzen Feen“ von Day, Thomas / Ledroit, Olivier, ISBN: 978-3-95839-006-5, HC, 72 Seiten, inkl. Bonusmaterial, € 16,80 [D] € 17,30 [A]

Februar 2017
„Arthus Trivium, Band 1 | Die Engel von Nostradamus“ von Raule / Landa, Juan Luis (Vorwort von Enrico Marini), ISBN: 978-3-95839-424-7 [Feb 2017] HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Auf die Barrikaden!, Band 3: Wir werden nichts über ihre Weiber sagen“ von Lupano, Wilfrid /Fourquemin, Xavier, ISBN: 978-3-95839-280-9, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Elfen, Band 14 | Das Urteil der Grube“, von Corbeyran, Eric / Bordier, Jean-Paul, ISBN: 978-3-95839-242-7 [Feb 2017] HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Ferne Welten, Episode 2“ von Leo / Icar, ISBN: 978-3-95839-471-1, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Herr der Affen – John Arthur Livingstone, Band 2 | Zweites Buch“ von Bonifay, Philippe / Meddour, Fabrice, ISBN: 978-3-86869-663-9, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Low, Band 3 | Ufer des sterbenden Lichts“ von Remender, Rick / Tocchini, Greg, ISBN: 978-3-95839-483-4,, HC, 120 Seiten, € 19,80 [D] € 20,40 [A]
„Melvile, Band 2 | Die Geschichte von Saul Miller“ von Renard, Romain, ISBN: 978-3-95839-153-6, HC, 136 Seiten, € 24,80 [D] € 25,50 [A]
„Die Opalwälder, Band 9 | Lichterflut“ von Arleston / Pellet, Philippe, ISBN: 978-3-95839-434-6, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Orbital, Band 4.1 | Implosion“ von Runberg, Sylvain / Pellé, Serge, ISBN: 978-3-86869-112-2, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Red Skin, Band 2 | Jacky“ von Dorison, Xavier / Dodson, Terry, ISBN: 978-3-95839-207-6, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Die Vier von der Baker Street, Band 7 | Die Moran-Affäre “ von Djian, Jean-Blaise / Legrand ,Olivier / Etien, David, ISBN: 978-3-86869-708-7, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]

März 2017
„Alice Matheson, Band 5: Wer ist Morgan Skinner?“ von Istin, Jean-Luc / Vandaële, Philippe, ISBN: 978-3-95839-303-5, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Apache Junction, Buch 3 | Der Unsichtbare“ von Nuyten, Peter, ISBN: 978-3-86869-736-0, HC, 48 Seiten
€ 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Assassin’s Creed, Band 2“ von Del Col, Anthony / McCreery, Conor / Edwards, Neil,| ISBN: 978-3-95839-418-6, HC, 144 Seiten, € 19,80 [D] € 20,40 [A]
„Assassin’s Creed, Band 2“ (Variant Edition - limitiert auf 666 Ex.) von Del Col, Anthony / McCreery, Conor / Edwards, Neil, ISBN: 978-3-95839-419-3, HC, 144 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Azimut, Band 3 | Die Flusspferdmenschen des Nihil“ Lupano, Wilfried / Andreae, ISBN: 978-3-86869-635-6, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Black Magick, Band 1 | Das Erwachen“ von Rucka, Greg / Scott, Nicola, ISBN: 978-3-95839-478-0, HC, 128 Seiten, € 19,80 [D] € 20,40 [A]
„Dan Cooper, Gesamtausgabe 6“ von Weinberg, Albert, ISBN: 978-3-95839-347-9, HC, 208 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Descender, Band 3“ von Lemire, Jeff / Nguyen, Dustin, ISBN: 978-3-95839-168-0, HC, 128 Seiten, € 22,80 [D] € 23,40 [A]
„Die Druiden, Band 9 | Die Zeit der Raben“ von Istin, Jean-Luc / Lamontagne, Jacques / Jigourel, Thierry, ISBN: 978-3-86869-589-2, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Eternum, Band 2 | Die Erbauer“ von Bec, Christophe / Jaouen, Salaün, ISBN: 978-3-95839-322-6, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Galkiddek, Band 1 | Die Gefangenen“ von Giroud, Frank / Grella, Paolo, ISBN: 978-3-95839-467-4, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Izunas – Die Legende der scharlachroten Wolken (2. Zyklus), Band 2 | Yamibushi“ von Tenuta, Saverio / Lupattelli, Carita, ISBN: 978-3-95839-015-7, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Samurai, Gesamtausgabe 1 (Bd. 1 – 3)“ von Di Giorgio, Jean-François / Genêt, Frédéric, ISBN: 978-3-95839-437-7, HC, 144 Seiten, € 34,80 [D] € 35,80 [A]
„Senseï, Band 1 | Die Schule der einsamen Wölfe“ von Di Giorgio, Jean-François / Vax, ISBN: 978-3-95839-428-5, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]

April 2017
„Black Science, Band 3 | Fluchtmuster“ von Remender, Rick / Scalero, Matteo / White, Dean, ISBN: 978-3-95839-377-6, HC, 152 Seiten, € 22,80 [D] € 23,40 [A]
„Ferne Welten, Episode 3“ von Leo / Icar, ISBN: 978-3-95839-472-8, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Horacio d’Alba, Band 3 | Memoiren einer Duellantin“ von Le Gris, Jérôme / Siner, Nicolas, ISBN: 978-3-86869-439-0, HC, 64 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Ich habe … getötet, Band 1 | Ich habe Abel getötet“ von Le Tendre, Serge / Sorel, Guillaume, ISBN: 978-3-95839-448-3, HC, 64 Seiten, € 15,80 [D], € 16,20 [A]
„Liebe deinen Nächsten“ von Eickmeyer, Peter / Gaby von Borstel, ISBN: 978-3-95839-415-5, 96 Seiten, € 22,80 [D], € 23,40 [A], (Spendengelder pro verkauftem Buch gehen an die Organisation „SOS Méditeranée“)
„Die Meister der Inquisition, Band 4 | Miha“ von Jarry, Nicolas / Bordier, Jean-Paul, ISBN: 978-3-95839-212-0, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Murena, Band 3 | Kapitel 5 + 6: Die schwarze Göttin / Das Blut der Bestien“ von Dufaux, Jean / Delaby, Philippe, ISBN: 978-3-95839-381-3, HC, 128 Seiten, € 24,80 [D] € 25,50 [A]
„Reconquista, Band 4 | Der Tod eines Königs“ von Runberg, Sylvain / Miville-Deschênes, François, ISBN: 978-3-95839-482-7, HC, 56 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Samurai, Band 9 | Ogomo“ von Di Giorgio, Jean-François / Genêt, Frédéric, ISBN: 978-3-95839-440-7, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Samurai Legenden, Band 1 | Furiko“ von  Di Giorgio, Jean-François / Mormile, Cristina, ISBN: 978-3-95839-443-8, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Siberia 56, Band 3 | Pyramide“ von Bec, Christophe / Sentenac, Alexis, ISBN: 978-3-86869-739-1, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D], € 15,20 [A]
„Sukkubus, Band 7 | Diamante“ von Mosdi, Thomas / Sotgui, Luca, ISBN: 978-3-95839-263-2, HC, 48 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]
„Ulysses 1781, Band 2 | Der Zyklop (2/2)“ von Dorison, Xavier / Hérenguel, Eric, ISBN: 978-3-95839-250-2, HC, 64 Seiten, € 14,80 [D] € 15,20 [A]

Die Übersicht aller neuen Titel samt Cover gibt es auch hier, über das Herbstprogramm spricht Horst Gotta im Gespräch auf comic-report.de.

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Montag, 27. Juni 2016

Pedro Franz – Ein zeichnender Comicforscher

Beitrag & Interview: Augusto Paim

Ein ganz Unbekannter in der deutschen Comicszene ist er nicht. Zeichnungen von ihm waren letztes Jahr in den Gruppenausstellungen „Nothing special“ in Mannheim und „Parias“ auf der Comic Invasion Berlin zu sehen. Auch die in Lettland herausgegebene und in Deutschland erhältliche Comicanthologie kuš! veröffentlichte in ihrer 15. Ausgabe eine Geschichte von ihm („Dead horses remain on the roadside“ wird demnächst auch bei Electrocomics verfügbar sein). Außerdem stellte er im Oktober 2012 gemeinsam mit Mawil seine Comics in Florianópolis, Südbrasilien, vor. Dennoch genießt er bisher nur in seiner heimatlichen Comicszene in Brasilien Bekanntheit: Pedro Franz.

Ende 2012 wurde in Rio de Janeiro ein ganzer Zug mit seinen Zeichnungen dekoriert, eine Werbeaktion für die Fernsehserie „Suburbia“, die er in einem Comic adaptierte. Franz illustriert regelmäßig für das angesehene Magazin piauí, eine Art brasilianischer New Yorker, und für renommierte Literaturzeitschriften. Seine Anerkennung beruht allerdings nicht auf diesen großen Aufträgen. Schon mit seinen ersten unabhängig veröffentlichten Comics hat er sich beim Fachpublikum als talentierter, kreativer und innovativer Autor einen Namen gemacht. In seinem Werk werden nicht nur Geschichten erzählt, es geht auch darum, das Medium neu zu entdecken. So besteht der zweite Teil seiner Trilogie „Promessas de amor a desconhecidos enquanto espero o fim do mundo“ aus einem Umschlag, aus dem man die Seiten seines Comics – in dem den Text des Ethnologen Clifford Geertz über den balinesischen Hahnenkampf reflektiert – zieht. Der Comic funktioniert wie ein Kartenspiel, da jedem freigestellt ist, die Blätter auf eigene Art und Weise zu sortieren und zu lesen.

Pedro Franz war nun im Juni erstmals für eine Woche in Berlin, und stellte hier sein neues Werk vor: „The Tunguska Incident“ (vom brasilianischen Portugiesisch ins Englisch von Érico Assis) war seine Master-Abschlussarbeit für das Studium der Bildenden Künste, das er 2015 an der Universidade Estadual de Santa Catarina abschloss. Der Comic greift ein reales Ereignis auf – eine gewaltige Explosion am 30. Juni 1908 in der Nähe des russischen Flusses Steinige Tunguska –, um das Medium zu erforschen. Die Arbeit besteht aus dem Comic selbst, der akademischen Forschung mit dem daraus resultierenden Text, sowie einer Ausstellung. Diese allerdings nicht getrennt, denn Franz, ein ausgebildeter Designer mit akademischer Neigung, hat Teile der Abschlussarbeit als erklärenden Text in der Ausstellung selbst aufgehängt, während die Gutachter eingeladen wurden, ein Bild aus der Ausstellung auszusuchen und es auf eine leere Seite der Abschlussarbeit zu kleben. Auch der Comic ist ein Versuch, die dreidimensionalen Gegenstände der Ausstellung gewissermaßen ins Papier zu übertragen, und zwar mittels von Franz selbst etablierter Einschränkungsregeln: Erstens durfte er nur mit Graphit zeichnen, zweitens konnte jede Doppelseite nur eine einzige, von den anderen Doppelseiten unabhängige Szene beinhalten, und zuletzt musste er auf menschliche Figuren verzichten (mit Ausnahme der letzten Seite, auf der Franz sich selbst mit Anspielung auf den Fotografen Duane Michals portraitiert). Für ihn sind akademische Forschung und künstlerische Praxis eine untrennbare Einheit.

Um Pedro Franz in Berlin willkommen zu heißen, wurde am Montag, dem 13. Juni ein kleines Comictreffen veranstaltet. Das folgende Gespräch führten wir im Laufe einer angenehmen Stunde auf einem Balkon an der Schwedter Straße, den Blick Richtung des frühen Standorts der Mauer, während die Gäste langsam das Wohnzimmer voll und laut machten. Draußen wurde der Eindruck der untergehenden Sonne in der Metropole von der Geräuschkulisse von Ponys, Schafen, Hühnern und Ziegen der Jugendfarm Moritzhof konterkariert. Franz beantwortete die Fragen ruhig und mit Bedacht.

***

Wie bist Du in Berlin gelandet?
„The Tuguska Incident“ hat eine Kulturförderung in Brasilien bekommen. Im Antrag habe ich mich nicht nur für die Publikation auf Portugiesisch und Englisch beworben, auch eine internationale Reise war vorgesehen. Ursprünglich wäre es nach Angoulême zum Comicfestival gegangen, aber es gab Verspätungen. Mittlerweile ergab sich die Gelegenheit, an der [Berliner Kunstbuchmesse, Anm. Paim] Miss Read teilzunehmen. Danach geht es auf Einladung von Comicforscher Pedro Moura weiter nach Amadora bei Lissabon. Dort stelle ich den Comic auf Portugiesisch vor und beteilige mich an einer eher akademischen Debatte über meine Recherche in der Comicbibliothek Bedeteca. Danach fahre ich schließlich nach Angoulême, wo ich gemeinsam mit den Comicautoren Matt Madden und Jessica Abel im Laden Le Comptoir des Images signiere. So wird „Incident“ wie gewünscht an drei Orten vertreten sein, welche die verschiedenen Aspekte dieses Werkes abdecken: Comics (Angoulême), akademische Forschung (Amadora) und Künstlerbücher (Berlin).

Während des Masterstudiums hast Du Dich gefragt, ob Du ein Künstler oder ein Comiczeichner bist. Wie lief dieser Prozess ab?
Als ich gegen 2008, 2009 anfing, ernsthaft Comics zu machen – das war mit der Publikation einiger Teile der Trilogie „Promessas“ –, hatte ich damit Schwierigkeiten, mich als Comicautor zu bezeichnen. Da ich viel Respekt vor Comicautoren hatte, fühlte ich mich eher als jemand, der auch Comics machte, aber noch kein Comicautor war. Irgendwann habe ich aber die Bezeichnung übernommen, und das war auch eine politische Angelegenheit, wie um es zu behaupten: Ich mache Comics, das habe ich für mein Leben ausgewählt, also bin ich ein Comicautor. Das war damals sehr wichtig für mich. So ist auch mit der Bezeichnung Bildender Künstler passiert. Man könnte sagen, dass es sich nur um eine Bezeichnung handelt, aber für mich war es befreiend, indem ich akzeptieren konnte, dass ich andere Praktiken außer Comics entwickle, und dass diese auch zu meinen Absichten als Künstler gehören. Es war ein Prozess, mich zu akzeptieren und auch mich zu entdecken. Nicht, dass ich denke, ein Comicautor sei kein Künstler. Das ist nicht der Punkt. Es geht darum, dass man unter „Comicautor“ zunächst eine Person versteht, die nur mit Comics arbeitet.

Ein Thema Deiner Dissertation ist die Form der Ausstellung von Comics: Üblicherweise werden Comics statisch ausgestellt, einfach Seiten an der Wand. Wie gehst Du damit um?
Ich wollte verstehen, wie eine Galerie ein Raum für Comics sein kann, ohne in dieser traditionellen Form von Comic-Ausstellungen zu landen, wo nur Originale gezeigt werden. In dieser traditionellen Form geht es um den Fetisch, die Aura des originalen Gegenstandes – um Walter Benjamin zu zitieren. Man sieht allerdings nur einige Teile, oft gibt es sogar keinen Text in den Blasen. Das wollte ich in meiner Ausstellung nicht machen. In der „Incident“-Ausstellung gibt es sowohl Originale wie auch gedruckte Gegenstände, und das alles ist ein Ganzes.

Wenn man den Raum der Galerie als einen Raum für Comics betracht, sieht man eben die Comic-Publikation als einen Ausstellungraum. Etwa wie die Autoren Baudoin und Troubs, die in die mexikanische Stadt Ciudad Juárez fuhren und dort zwei Monate blieben. Sie unterhielten sich mit den Einwohnern, porträtierten sie und bitteten diese darum, als Tausch für das Porträt einen Traum zu erzählen. Sie zeichneten das Erzählte in einem Buch auf, das in gewissem Maß ein Reisetagebuch, eine Reportage über die gewalttätige Stadt und auch ein Comicwerk namens „Viva la vida“ ist. Das wiederholten sie in Kolumbien mit „El sabor de la tierra“. Der Aufenthalt an diesen Orten ist selbst Teil ihrer künstlerischen Praxis, nicht nur die Bücher.

Hier denke ich wie [Nicolas] Bourriaud und seine Definiton der „Relationalen Kunst”. So kann man meiner Meinung nach auch die Praxis der Comicautoren in andere Bereiche erweitern. Ein Comic kann aus einem Buch oder einer Ausstellung bestehen, aber auch aus den alltäglichen Praktiken, dem alltäglichen Austausch. Ich nenne das Dispositive. Ich interessiere mich für diese Tätigkeiten, die manchmal nicht unbedingt mit dem Schaffen eines Comics zu tun haben, sondern aus anderen Praktiken bestehen. Viele von denen sind politisch oder beinhalten Entscheidungen der Künstler, die ihre Arbeiten bestimmen. [Der Brasilianer Fábio] Zimbres zum Beispiel: Er ist eine Person, die ständig etwas macht, unter anderem Comics. Dennoch engagiert er sich für den Comic in tausend Formen: Als Selbstverleger, durch Unterstützung von Autoren, das Erschaffen eines Netzwerkes von Comickünstlern... Das alles macht er. Nicht nur als großartiger Künstler und Comiczeichner, sondern auch durch seine anderen Tätigkeiten ist er ein Vorbild für uns. Ich wiederum bin ein Comicautor, der auch akademische Forschnungen macht.

Wie war die Akzeptanz Deiner Arbeit mit Comics während des Masterstudiums?
Als ich das Projekt einreichte, trug es einen Titel wie „Comic als zeitgenössische Kunst“ oder „Der Comic in der zeitgenössischen Kunst“ oder „Der Comic in den Bildenen Künsten“. Es war also klar, dass es um Comics ging. Später traf ich einen Freund, der auch Künstler und Akademiker ist, der mir sagte: „Oh nein, du hättest nicht den Begriff ‚Comic‘ verwenden sollen! Die Leute der Bildenden Künste verstehen das nicht.“ Ich konnte seine Meinung nachvollziehen, aber ich wollte eben diesen Begriff benutzen. Ich wollte sozusagen „gentrifizierte“ Begriffen wie „Graphic Novel“ oder „Sequenzielle Kunst“ vermeiden und wusste, dass mich der Titel benachteiligen könnte. Dennoch ist eben das Gegenteil passiert. Während des Studiums lernte ich sehr offene und großzügige Menschen kennen. Ich war der einziger Comicforscher an der Uni, trotzdem interessierten sich viele Leute für mein Projekt. Ich traf die Leute, die Künstlerpublikationen machen, oder diejenigen Bildenden Künstler, die auch mit Text arbeiten. Einige waren sehr nett und wichtig für die Forschung, weil sie mir Wege zeigten, die ich noch nicht kannte.

Kanntest Du schon andere Comicforschungen, die in solcher Art an Hochschulen durchgeführt wurden, und Dich motiviert haben, Dein Projekt einzureichen?
Ich glaube nicht... [überlegt] Ich glaube, forschende Comicautoren sind noch selten in der Akademie. Ich meine, es gibt zwar viele Comicforscher, aber üblicherweise legen sie den Fokus auf einen einzigen Aspekt. Es sind Forscher, die vielleicht auch Comics machen, oder Comicautoren, die zwar forschen, aber deren Forschung nicht Teil ihrer künstlerischen Praxis ist.

Ein Beispiel: „Incident“ hatte ursprünglich einen Untertitel. Ich kann mich nicht mehr so richtig erinnern, aber es war etwas wie „Tunguska – Comic und Bildene Künste zusammen denken“. Irgendwann zwischen dem letzten Zwischenbericht und der Verteidigung sprach ich mit meiner Betreuerin, und wir haben den weggestrichen. Die drei Teile – die Masterabschlussarbeit, der Comic und die Ausstellung – heißen also einfach „Tunguska“. Alles zusammen. Einige Leute können die Masterabschlussarbeit selbst nicht lesen, aber Ausschnitte daraus waren in der Ausstellung zu sehen, fast wie ein Vorstellungtext, also als Teil der Ausstellung selbst. Was ich meine, ist, dass es oft eine Trennung gibt zwischen den zwei Dingen. Ich hingegen sehe beides zusammen: Meine künstlerische Forschung und meine akademische Forschung sind ein einziges Ding.

Dennoch will ich nicht ungerecht zu anderen Forschern sein. In diesem Sinne meine ich: Selten finde ich, dass die künstlerische Forschung Teil der akademischen Forschung ist. Ich kenne zumindest wenige Fälle.

Willst Du weiter akademisch arbeiten?
Zurzeit bin ich selbst an der Antwort dieser Frage sehr interessiert. Ich versuche das zu verstehen und auch, warum man eine akademische Forschung führt. Nach der Verteidung hatte ich komischerweise nicht das Gefühl, die Forschung meiner Masterabschlussarbeit wäre beendet. Erst jetzt, wo ich „Incident“ auf Englisch verteile, dass es zirkuliert und die Leute es lesen, scheint mir das so. Es ist, als ob die Arbeit über die akademische Forschung hinaus fortdauert.

Meine Bachelorarbeit in Design war auch über Comics, aber in keinem Moment bin ich mit der Absicht an die Hochschule gekommen, um zukünftig Professor zu werden. Jetzt aber fängt die Lust an, in einem akademischen Milieu tätig zu sein. Mir gefällt die akademische Forschung sehr. Mir gefällt ihre Rigorosität und der Kontakt mit anderen Forschern. Deswegen habe ich das Interesse, diese Forschung in einem Doktorat weiter zu entfalten.

Ein Merkmal Deiner Arbeit ist meiner Meinung nach, dass Deine Comics keine fertigen Produkte sind. Der Prozess interessiert Dich eher.
Die erste Ausstellung von „Incident“ in einer Galerie dauerte einen Monat. Sie war auch ein Prozess. Ich habe sie im Laufe der Zeit mehrmals bearbeitet. Sie fing so an, und endet anders. Es war meine erste eigene Ausstellung. Vorher wusste ich nicht, wie man den Comic in den tridimensionellen Raum der Galerie übersetzen kann. Das interessierte mich sehr.

Die Arbeit an meinen Comics ist für mich ebenfalls ein kontinuierlicher Prozess. Wenn sie gedruckt werden, verleihe ich ihr eine endgültige Form. Deswegen bin ich in der Phase vor dem Druck paranoid. Da bin ich obsessiv und bemühe mich darum, das Ding in die von mir beabsichtigte Form zu bringen, bevor es in die Druckerei geht. Ich kümmere mich um jedes kleines Detail, jeden kleinen Text. Danach tritt die Publikation wieder in eine Kontinuität ein, dann aber in der Beziehung mit den Lesern und in den weiteren Räumen, die sie erreicht.

Als Deine Version von „Suburbia“ erschien, gab es Mitglieder eines Internetforums, welche die Comic-Adaption der Fernsehserie mit dem Vorwurf hart kritisierten, die Zeichnungen seien „hässlich“. Wahrscheinlich sind sie an andere Stile von Adaptionen gewöhnt. Was denkst Du über die Hässlichkeit als einen ästhetischen Wert?
Ich habe dieses Forum auch gesehen und fand es lustig zu lesen. Ich verstehe, was sie meinten und finde es ok. Vielleicht ist der Comic ja hässlich. In „Suburbia“ ging es für mich darum, einen Zeichenstil zu finden, der sowohl die Kraft der brasilianischen Funk-Musik beinhaltet, als auch die Athmosphäre brasilianischer Vororte, worum es in der Serie ging. Anderseits gab es die Sache der Frauendarstellung. Der Regisseur Luiz Fernando Carvalho und ich wollten uns in dem Comic nicht visuell von den Schauspielern der Fernsehserie entfernen, aber für mich war es schwierig eine heiße Frau tanzend darzustellen...

Neulich habe ich einen Vodcast im Internet gesehen, in dem zwei Leute „Incident“ kommentieren. Einer gab viele Komplimente, der andere hingegen sagte: „Es ist doch nur Kritzelei“. Das ist sehr toll, oder? Es ist ja nur Kritzelei. Was mich da interessiert, ist, wie man einen Comic mit minimalen Mitteln macht. Auf einer Seite von „Incident“ sind nur zwei Vierecke zu sehen, die sich annähern und sich entfernen. Da kann mein Stil fast nicht erkannt werden. Ich mag solche Werke, die nur aus Kritzelei und vielleicht einem geschriebenen Wort dazu bestehen, bei denen der Autor in so einem gewissen Maß anwesend ist – wenn es Sinn im Universum des Autors macht.

Anderseits erzeugt die Zeichnung selbst etwas. Auch wenn sie abstrakt ist, wenn es Kritzelei ist. Da gibt es eine Potenz, welche die realistisch orientierte Zeichnung allein nicht hat. Ich kann schon in einer naturalistischen Form zeichnen. In „Incident“ sind verschiedene Stile zu sehen. Die Zeichnungen können also nicht nur eine gute Geschichte erzählen, sie können auch etwas im Leser bewirken. Die Textur, die Graphitschichten auf dem Papier, sind dort aus bestimmten Gründen. Sie bedeuten etwas.

Wie bist Du zum Medium Comic gekommen? Viele beginnen mit dem Lesen von Kindercomics, aber von Kindercomics zu den Comics, die Du heute machst, ist es ein großer Sprung.
In der Phase zwischen zehn und 14 Jahren war ich ein omnivorer Leser von Comics, ich las zwanghaft alles. Zu dieser Zeit habe ich angenfangen, Comics zu machen. Als ich elf war besuchte ich die ersten Comickurse, mit 17, 18 Jahren veröffentlichte ich die ersten Zines. Und dann hörte ich auf. Als ich 19, 20 Jahre alt war, entwickelte ich eine Art Comic-Blockade. Ich fand keinen Comic mehr, der mein Interesse weckte. Damals hatte sich das Internet noch nicht so durchgesetzt. Es war schwierig, Zugang zu Comics von außen zu haben, andere Künstler kennen zu lernen. Ich wohnte ja in einer kleinen Stadt.

Erst als ich nach Argentinien zog und in Kontakt mit dem dortigen Comic kam, konnte ich die Blockade überwinden. Ich war 23 Jahre alt und wohnte zwei Jahre lang dort. In Argentinien begeisterte ich mich für die Arbeit von [Alberto] Breccia, [Héctor German] Oesterheld... Ich hatte meine Arbeit in Brasilien beendet, Geld gesparrt und bin dorthin gefahren, um für eine gewisse Zeit zu zeichnen und zu schreiben. Es sollte sechs Monate dauern, aber ich bin dann noch länger geblieben, fand dort einen Job und stellte meine Arbeit in einigen Galerien aus. Die argentinischen Comics waren für mich sehr wichtig, auch weil es sie schon so lang gab und ich sie trotzdem nicht gekannt hatte, was damals hieß, dass ich bis dahin die „falschen“ Comics gelesen hatte und dass es für mich viel zu entdecken gab.

Trotz des weiteren Erfolgs, den Dir die größen Aufträge brachten, bleibst Du jetzt genauso wie früher sehr aktiv in der Independent-Comicszene. Du selbst bist eine Art Vermittler, der gern Werke und Künstler, die Du entdeckst und Dir gefallen, empiehlt. Ist diese etwas, was Du beibehalten willst?
Ja, sicher. Berliac [ein in Berlin lebend argentischer Comiczeichner] ist ein Künstler, der sich dafür viel stärker als ich engagiert. Er vernetzt Leute, ständig zeigt er den Verlegern Dinge, die ihm gefallen, er kennt alle Publikationen, er spricht mehrere Sprachen fließend und kann so viele Leuten erreichen... In der Comicwelt gibt es etwas Schönes, und zwar dieses kollaborative Netzwerk von Verlegern, Zeichern, Forschern. Pedro Moura zum Beispiel: Als er jetzt unsere Veranstaltung bewerben wollte, postete er: „Liebhaber des experimentellen Comics, vereinigt euch!” Es ist lustig, denn es ist eine ganz kleine Szene, es sind wenige Leute. Comics können zwar auch an anderen Orten wahrgenommen werden, aber es sind wenige, die sich sehr dafür interessieren...

Eine Provokation: Wenn ich Deine Comics als intellektuell oder akademisch definiere, klingt das wie ein Kompliment oder eine Beleidigung?
Ich weiß nicht, was ein akademischer, ein intellektueller Comic ist... [skeptisch] Ich habe den Eindruck, viele Leute in der Comicwelt haben ein Problem mit dem Wort „intellektuell”, sie wollen Abstand davon halten. Dieser Eindruck war früher stärker, mittlerweile ist er nicht mehr so intensiv, aber ich merke ihn immer noch. Ich glaube nicht, daß ich akademische Comics mache... „Incident“ ist vielleicht meine experimentellste Arbeit. In gewisser Art und Weise ist es eine Arbeit, die sich von der traditionellen Vorstellung von Comics am weitesten entfernt. Ein Freund von mir sagte, dass „Incident“ mein hermetischstes Werk ist, daß ich mich damit von den Lesern entferne. Ich verstehe seine Meinung und ich stimme in gewissem Maß zu. Gleichzeitig ist es aber auch die Arbeit, für die ich das meiste Feedback von Leuten bekam, die sagten, sie haben es gelesen und identifizieren sich mit ihr.

Ich denke außerdem, dass wir „Moderationsräume“ schaffen können. „Incident“ wird kostenlos verteilt. Meine Reise jetzt ist auch deshalb zustandegekommen, da ich mich derzeit stark dafür interessiere, wie man den Comic vermitteln kann, wenn man ihn persönlich den Lesern gibt und sich währenddessen mit ihnen unterhält; wie man so Zugang dazu ermöglichen kann, um zu zeigen: Obwohl dieses Werk etwas hat, daß als akademisch oder intellektuell auszeichnet – nicht, dass andere Werke es nicht haben! –, ist es nicht so weit draußen oder kompliziert. Es ist komplett nahe am...  Leben.

Meine Vorstellung von Comics ist eng damit verbunden: ein Comic nah am Leben. Das finde ich das Schöne an Comics.

In Argentinien wohnte ich ca. 20 Meter von der bekannten Mafalda-Statue [eine Sehenswürdigkeit von Buenos Aires, eine Statue der Figur des argentinischen Comiczeichners Quino lebensgroß auf einer Bank sitzend; die Touristen können sich daneben hinsetzen und sich fotografieren lassen]. An der Ecke gegenüber, dorthin wo die Statue blickt, lag meine Stammkneipe. Dort traf ich alle meine Freunde, machte mehrmals die Woche Soundchecks und Konzerte, und lernte meine damalige Freundin kennen... Dort kannte ich jeden! Die Kneipe wurde allerdings dichtgemacht, sogar als ich noch in Argentinien lebte. Sie wurde erst zu einem Eisladen, jetzt ist dort ein Kiosk, glaube ich. Viele Leute beziehen sich auf das Bild der Mafalda-Statue, wenn sie über Comics sprechen. Die Statue ist das Konzept von Comics selbst. Man sieht sie und man assoziiert sie unmittelbar mit Comics. Für mich war aber die Kneipe der Ort, an dem der Comic lebt. Dort, mit allem, was ich dort erlebt habe, mit dem Gedanken der Erinnerung oder eben der Fiktion, da in der Erinnerung auch etwas erfunden wird. Eines Tages sah ich dieses Foto der Mafalda-Statue und dachte: Der Comic ist nicht da, sondern gegenüber.

Was bekommst Du von der Comicszene in Deutschland mit? Was bringst Du von dieser Reise zurück nach Brasilien?
Es ist schwierig, über die Comicszene eines anderen Landes zu sprechen. Es gibt immer das Risiko, oberflächlich oder klischeehaft zu sein, wenn ich sage, dass ich alles schön fand. Aber ich spüre Enthusiasmus, da ich so viele interessante Dinge sah. Ich sehe hier vielfältige Konzepte von Comics. Leute, die sehr unterschiedliche Dinge machen und dennoch tauschen sie sich gern untereinander aus.

Fotos © Pedro Franz, © Augusto Paim

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Freitag, 24. Juni 2016