Neuerscheinungen – 28. November 2014

"Winsor McCays Little Nemo. Gesamtausgabe" von Alexander Braun (Taschen)
"75 Jahre Marvel. Von den Anfängen bis ins 3. Jahrtausend" von Roy Thomas & Josh Baker (Taschen)

Gleich zwei großformatige Comic-Bildbände aus dem Hause Taschen sind in diesen Tagen in die Läden gekommen und bieten sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenke an. Im ersten wird der Zeitungscomic-Klassiker erstmals komplett vorgelegt und das im Überformat. Das ist zwar immer noch kleiner ist als die Original-Zeitungsseiten es waren, aber für so ein Gerät bräuchte man einen Buchständer wie seinzeit beim Helmut Newton-"Sumo". Für Freunde der Zeichenkunst, Historiker, Leser, Träumer. Hach. Und mit dem DC-Band vor einigen Jahren scheint Taschen ein Überraschungshit gelungen zu sein, wird doch die Folgeauflage in mehrere, um weitere Inhalte ergänzte, Bände aufgesplittet. Das wird es für Marvel-Fans nicht leicht machen: Den mächtigen Klotz der Erstausgabe zulegen oder die umfangreicheren Teilbände, die vielleicht folgen?

"Aspirine" von Joann Sfar (avant-verlag)
'Ähnlich wie bei manchen Autorenfilmern weiß man bei Joan Sfar meistens vorher, was man bekommt: Charaktere, die auf schlingernden Wegen durchs Leben gehen, wechselnde Frauengeschichten, etwas distanziert scheinende Dialoge. Hier kommt das also als (zweiter Teil der) Vampirgeschichte.

"Batman: Der Tod der Familie" (Masken-Edition) von Scott Snyder, Greg Capullo & Jonathan Glapion (Panini)
Ich empfehle die beiliegende Latexmaske allen Weihnachtsmännern, die ihre Ruhe haben wollen. Dann können sie die Geschichte von Snyder, Capullo und Glapion in Ruhe lesen.

"Billy Bat, Band 9" von Naoki Urasawa, Takashi Nagasaki (Carlsen)
Liest man Urasawas Serie, freut man sich noch mehr über jeden Tag, an dem keine Comic-Fledermaus mit einem spricht.

"Donjon 110: Hoher Septemtrion" von Sfar, Trondheim & Mazan (Reprodukt)
Jetzt werden es doch "nur" 36 Bände, aber auch so gehört "Donjon" mit zu den unterhaltsameren Fantasyepen, eben weil Sfar und Trondheim einen Rahmen geschaffen haben, in denen sich verschiedene Arten von Geschichten erzählen lassen: Von den Abenteuercomics der "Morgengrauen"-Bände, dem Klamauk der "Parade"-Reihe hin zu einigen sehr düsteren One-Shots von "Donjon Monster". Das Ende kommt nun in zwei Bänden recht abrupt (dieser ist der erste), aber da spricht auch die Klage des Lesers, der gerne mehr davon lesen würde.

"Hilda und der schwarze Hund" von Luke Pearson (Reprodukt)
Düster wird es auch im neuen "Hilda"-Band. Aber auch nicht sooo düster. Ist ja "Hilda".

"Friends" von Jan Soeken (avant-verlag)
Schön, wenn sich in Verlagsprogramme noch Titel einschleichen, die durch ihre Andersartigkeit herausstechen.

"Fun Home – Paperback" von Alison Bechdel (Carlsen)
Interessant, das Carlsen sein Paperback-Programm nun auch mit Titeln aufhübscht, die zunächst in anderen Verlagen erschienen sind. Mehr muss man dazu aber nicht feststellen, im Romanbereich ist das Alltag und auch "Persepolis" erschien zwischenzeitlich als Taschenbuch nicht bei der Edition Moderne. Also das Buch: Klug komponierter, vielschichtiger und bewegender GraNo-Klassiker.

"Genosse Superman" von Mark Millar, Dave Johnson & Kilian Plunkett (Panini)
Das DC-Universum zeigt sich einmal mehr als sehr flexible, wenn es um freie Abwandlungen der Geschichten bekannter Helden geht. Hier bekommt Superman das UPgrade als Sowjet-Superheld. Ein schönes Gedankenspiel.

"Moby Dick" von Olivier Jouvray & Pierre Alary (nach Herman Melville, Splitter)
Häufig geht bei der Tintenzeichnung ein Teil der Dynamik der darunter liegenden Entwürfe verloren. Pierre Alary schafft es aber viel davon in seine Reinzeichnungen zu retten (wenn er nicht gleich seine Entwürfe koloriert, mit den digitalen Werkzeugen gibt es da ja vielfältige Möglichkeiten), was dieser Literaturadaption gut steht.

"Porno Superstar" von (Tokyopop)
"Yamashita verbringt seine Freizeit einsam und verlassen mit den Videos seines Lieblingspornostars Hikaru. Doch als er eines Tages von der Arbeit kommt, läuft er prompt seinem Idol über den Weg!" Geht das so weiter, wie ich mir das, äh, vorstelle? Der Leseprobe nach: Jawoll. Als Bonus noch geradezu rührende Szenen, wenn dem Protagonisten dann beim Oralverkehr an Hikaru der Gedanke kommt: "Gott... mir kommen die Tränen..."

"Strapazin #117: Sex" von Talaya Schmidt u.a.
Um... Zwischenmenschliches geht es auch im neuen Strapazin. Ich hatte das neue Heft neulich bereits vorgestellt und auch auf facebook darauf verlinkt. Das Cover dort ist immer noch onlne, trotz der fb-Jugendschutzbestimmungen. Vielleicht gibt es dort ja LeserInnen mit Geschmack.

"Sam Zabel in: Der König des Mars" von Dylan Horrocks (Egmont Graphic Novel)
Auch Horrocks'  neues Buch nach "Hicksville" ist eine Meta-Erzählung. Hier geht es um die Kraft der Fantasie.

"Schnappt Jiro! Eine Sushi-Mörder-Ballade" von Anthony Bourdain, Joel Rose, Langdon Foss & José Villarrubia (Panini)
Die Gastro-Reise-Dokus von Bourdain sind immer wieder sehr unterhaltsam, da bekommt er gerne Vorschusslorbeeren für seinen ersten Comic.

"Das Überleben der Spezies" von Paul Jorion & Grégory Maklès (Egmont Graphic Novel)
Mein Freund Thomas hat was mit Wirtschaft studiert und er legte mir das Buch als gute Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge ans Herz, die die als unausweichlich erklärten Funktionsweisen der Ökonommie hinterfragt.

"Zombies - Nechronologien 1: Die Elenden" von Peru & Petrimaux (Splitter)
Zombies gehen ja immer, hier marschieren sie auf Paris und kanbbern unter anderem Präsident Hollande an, was auch Le Figaro eine Meldung wert war.

"OhZona" von Christoph Mathieu, Gabriel Martins, Asja Wiegand, Caroline Ring, Lew Bridcoe, Rui Alex, Fil & Miguel Santos (Zwerchfell)
Das "Oh Magazin" hat nun schon mehrfach gezeigt, wie gut es tun kann, mit einem Autoren zusammenzuarbeiten – auch wenn mehrere KünstlerInnen die Vorlagen umsetzen. Hier nun die deutsch-portugiesische Erweiterung mit zwei Autoren und sechs ZeichnerInnen.

"Camp #1" (Edition Alfons)
Lupo modern, "Phantom", "Peanuts" – ein bunter Strauß im ersten Band für "Comic, Illustration & Trivialkultur"

"Comix 45" (JNK Media)
Nummer 45 erschien kurz nach meiner letzten Neuerscheinungsvorstellung, Nummer 46 ist noch nicht angekündigt, aber vielleicht kommt sie ja noch vorm Fest. Schön wäre es.

"Deutsche Comicforschung Jahrbuch 2015" von Eckart Sackmann (Hg.)
Auch mit dem aktuellen Jahrbuch wagen sich die Aufsätze kaum in die 1950er, sondern beleuchten die noch weiter zurück liegende Comicgeschichte in Deutschland. Schön, dass es auch in der Comicforschung Nischen gibt, die engagiert besetzt werden.

1. Allgemeiner deutscher Comic Preiskatalog von Günther Polland (Comic-Galerie)
Für einige tägliches Werkzeug, von anderen angezweifelt und wieder andere sehen sich so gar nicht als Sammler – und wenn sich die Gelegenheit bietet, schauen sie doch mal rein, was die eigenen Comics so wert sind. Ich würd´s tun.

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In unregelmäßigen Abständen findet sich hier eine Auswahl von Neuveröffentlichungen. Diese sind für den Handel via MSW bzw. PPM und die weiteren Auslieferungen der einzelnen Verlage erhältlich. Leserinnen und Leser wenden sich bitte an den Händler vor Ort.

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