Graphic Novel-Ära auf dem Höhepunkt? – Händler geben Antwort

Auf der heute beginnenden Buchmesse in Leipzig stehen auch Graphic Novels wieder im Mittelpunkt, wenn Verlage Novitäten präsentieren und Gäste ihre Bücher vorstellen, daraus lesen und der Presse Rede und Antwort stehen. Wie hier schon häufiger berichtet, finden in Leipzig parallel dazu gleich zwei weitere Comic-Großveranstaltungen statt: Die an der Buchmesse direkt angegliederte Manga-Comic-Convention sowie das Independent-Festival The Millionaires Club. Abgesehen von Cosplay-Fotostrecken finden beide Veranstaltungen abseits der Comic-Fachpresse weit weniger Beachtung in den Medien. Weiterhin stehen Graphic Novels im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, wenn es um Comics geht.

Die Vor- und Nachteile des Begriffs und die Problematik seiner Verwendung sind vielfach diskutiert worden. Paul Levitz, Journalist und ehemaliger DC-Verlagsleiter, rief kürzlich die Graphic Novel-Ära aus, in der wir uns befinden würden. Dabei geht er natürlich vom amerikanischen Markt aus, auf dem der Begriff noch etwas weiter gefasst wird, seine Einschätzung soll aber Anlass dafür sein, noch einmal mit Händlern zu sprechen, die tagtäglich mit Comics zu tun haben. Wie wirkt sich der Begriff auf ihre Arbeit aus, inwiefern bestimmen Graphic Novels den Comichandel? Immerhin, um Torsten Alisch vom Berliner Händler Grober Unfug zu zitieren, überträfen Verkaufszahlen eines neuen „Asterix“-Bandes ungefähr die gesamten Jahresverkäufe aller Graphic Novel-Neuerscheinungen zusammen. Ist das Thema also überhaupt wichtig? Was beschäftigt den Handel? Am virtuellen runden Tisch steuern die (Mit-)InhaberInnen der Läden Comix Hannover, Ultra Comix in Nürnberg, Grober Unfug in Berlin und Strips & Stories in Hamburg ihre Betrachtungen bei.

Zuletzt hat Egmont das Graphic Novel-Programm eingedampft, während weiterhin viele Verlage, auch aus dem Literatursektor, neue Titel ankündigen. Haben Graphic Novels ihren (Verkaufs-)Höhepunkt erreicht und würdet ihr auch von einer Graphic Novel-Ära sprechen?

Katinka Kornacker (Comix Hannover): Für die Presse gilt das bestimmt, nie wurde das Genre mit so vielen Rezensionen geehrt wie in den letzten Jahren. Aber ich würde eher von einer Comic-Ära sprechen. Das Programm ist vielschichtig bunt und deckt so gut wie jeden inhaltlichen Wunsch ab, mehr als je zuvor. Ich hoffe, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist, da die Graphic Novel-Verkäufe im Vergleich der einzelnen Segmente leider immer noch an der untersten Stelle liegen.

Ulrich Trautner (Ultra Comix): Ich denke mal, dass wir hier in Deutschland auch ein falsches Bild von Graphic Novels haben. In den USA sind alles Graphic Novels, was nicht als Heft erscheint, also auch alle Trade Paperbacks von den Superheldenserien, die so gesammelt erscheinen. So gesehen kann ich dem nur zustimmen, da sich der Comicmarkt, sowohl in den USA als auch bei uns in den letzten 10 bis 15 Jahren gewaltig geändert hat. Der Markt hat sich weg von einem Sammlermarkt („Ich muss jedes Heft haben!“) hin zu einem Lesermarkt entwickelt. Das erklärt auch den Erfolg der Gesamtausgaben im deutschsprachigen Raum. Den Menschen ist es wichtiger die Geschichten gesammelt zu lesen – ohne Werbung und lästiges Warten auf das nächste Heftchen.
Die Graphic Novels sind auch nur Comics, die aber in einem buchhandelsaffinen Format erscheinen, dann dadurch auch von einem anderen Publikum wahrgenommen werden, und auch den Einzug in die Feuilleton geschafft haben. Dass Egmont den enormen Ausstoß von Graphic Novels beschränkt, liegt auch am immer noch begrenzten Markt und Zielpubklikum. Von einer Graphic Novel-Ära würde ich nicht reden, es hat höchsten den Horizont für das Medium Comic erweitert.

Torsten Alisch (Grober Unfug): Sicherlich hat der Marketingbegriff Graphic Novel die öffentliche Wahrnehmung von Comics immens erweitert – sowohl in den Medien als auch bei vielen Lesern, die Comics bis dahin nicht wahrgenommen haben. Rückgängige Verkaufszahlen können wir bezogen auf den Gesamtumsatz nicht feststellen, allerdings haben sich die Verkäufe stark in die Breite verlagert: Wirkliche Bestseller gab es in den letzten Jahren nur jeweils eine Handvoll – und dafür viele Titel, die wir ein- bis zweimal pro Monat verkaufen. Und dann ein immenser Berg von über 2.000 jährlichen Neuerscheinungen allein in Deutschland, von denen wir oft nur überhaupt ein oder zwei Exemplare verkaufen.
Einen guten Eindruck geben unsere jährlichen Bestseller-Listen, die wir auf unserem Blog veröffentlichen (201520142013).
Von einer „Graphic Novel-Ära“ zu sprechen halten wir für übertrieben, jedenfalls solange die Verkaufszahlen eines jeden neuen „Asterix“ wohl die gesamten Jahresverkäufe aller Graphic Novel-Neuerscheinungen zusammen übertreffen...

Hans Ebert (Strips & Stories): Wir glauben weder, dass Graphic Novels ihren Höhepunkt erreicht haben, noch, dass wir vor Beginn einer neuen Ära stehen, zumindest nicht in Deutschland. Zwar mag es einen Graphic Novel-Hype geben, in Form von wesentlich breiterer Berichterstattung in den Medien und Interesse von klassischen Verlagen, aber für uns stellt das erst den Beginn einer Entwicklung dar. Die Auflagenzahlen der meisten Graphic Novels sprechen da eine eindeutige Sprache. Wir sehen es eher als langfristigen Prozess, dass Comics jenseits von Superhelden und Alben sich zunehmend etablieren und als Kunst- oder Literaturform Anerkennung finden.
Das spiegelt sich auch in unserem auf Graphic Novels spezialisierten Laden wieder: wir können jedes Jahr ein kleines Wachstum verzeichnen, von explodierenden Umsätzen kann aber keine Rede sein. Was uns Hoffnung macht, ist, dass nach wie vor sehr viele Leute in unseren Laden kommen, für die Comics und Graphic Novels Neuland sind und die wir mit unserer Leidenschaft anstecken können. Wir gehen da von einem großen Potential aus.

Inwiefern bestimmen Graphic Novels eure tägliche Arbeit? Kommt noch neue Kundschaft, die man behutsam heranführen muss?

Ebert: Ja, wie eben schon angedeutet, gibt es noch sehr viele Menschen, die man von der Graphic Novel überzeugen kann und die noch wenig bis gar keine Vorwissen haben. Wir sehen da ein sehr großes Potential. Beispielsweise mit Alison Bechdels „Fun Home“, „Persepolis“ von Marjane Satrapi oder dem „Alltäglichen Kampf“  von Manu Larcenet haben wir als Einstiegstitel hervorragende Erfahrungen gemacht.

Trautner: Unser Alltag wird ganz und gar nicht von Graphic Novels bestimmt. Klar, es kommen immer wieder einmal neue Kunden, die explizit nach einer Graphic Novel-Abteilung fragen, aber behutsam muss man die sicherlich nicht heranführen, auch wenn es um ein schwieriges Klientel – Kunstsnobisten – handelt, die darauf anspringen, da dass Thema in irgendeinem Feuillton aufgetaucht ist.

Kornacker: Es kommen immer noch häufig ganz neue Kunden mit der Aussage, dass sie unseren Laden das erste Mal betreten um sich über das Genre Graphic Novel zu informieren. Das sind dann lange Gespräche, die häufig mit dem Grundwissen der sequentiellen Kunst beginnen. Das macht grundsätzlich Spaß! Schwierig ist leider die Recherche, welche Verlage welche Titel rausbringen. Manche Titel werden im Börsenblatt beworben, aber einige rutschen uns tatsächlich durch und erst durch direkte Kundennachfrage erfahren wir überhaupt von ihrer Existenz. Letztes Beispiel: Dumont Verlag: „Shakespeare ohne Worte“.

Alisch: Klar kommen Interessierte, die von „diesen Graphic Novels“ aus Medien oder von Bekannten erfahren haben, aber die meisten neuen Kunden und die vielen Touristen stöbern eher querbeet durch unser Angebot, das sich durch persönliche Vorlieben und dementsprechende Empfehlungen unserer Mitarbeiter auszeichnet. Wenn wir merken, dass sich jemand vom Angebot überfordert fühlt, versuchen wir zum jeweiligen Interesse passende Titel zu empfehlen.

Lars von Törne hatte in einem Essay vor bald zwei Jahren auf tagesspiegel.de die Befürchtung geäußert, dass Graphic Novels langfristig anderen Comics schaden könnten, da sie eventuell als die „guten Comics“ wahrgenommen werden und andere implizit als weniger gute. Könnt ihr seine Befürchtung bestätigen?

Kornacker: Ein klares Jein! Kunden, die durch Rezensionen im Feuilleton oder durch Fernsehsendungen bei arte auf literarische Graphic Novels aufmerksam gemacht werden, rümpfen sicherlich ihre Nase, wenn sie das erste Mal bei uns im Laden erst an den Manga und Superhelden vorbei müssen um das Genre entdecken zu können. Aber sie betreten einen Comicladen. Das ist neu und die Chance können wir natürlich nutzen, um diese Kunden auch auf anderen Artikel aufmerksam zu machen, auch wenn es aus dem Non-Book-Sektor ist. Die Kunden, die klassische Comics kaufen, sind dagegen sehr offen und sehen nur den inhaltlichen Unterschied und kaufen oft beides. Hier macht sich aber auch wieder bemerkbar, dass der Begriff in Deutschland immer noch und immer mehr Definitionsschwierigkeiten hat.

Trautner: Einen möglichen Schaden kann ich nicht ausmachen, eher befruchtet das Thema den Comic im Allgemeinen, da er so im Gespräch ist.

Alisch: Mit diesem Gut & Böse-Schema kämen wir nicht weiter: Wenn Kunden Empfehlungen wünschen, versuchen wir gerne zu helfen, aber wir empfehlen einem Fantasy-Fan nicht „Weiße Wölfe“... Und jemandem, der eher an politischen Themen interessiert ist, zeigen wir nicht „Druuna“ sondern aktuell den „Araber von morgen“, oder bei vorhandenem Humor auch gerne mal „Captain Berlin“.
Oder anders: Weder Manga noch Cartoons noch GraNo oder Webcomics oder oder oder "schaden" dem Comic! Was für ein Quatsch!

Für Strips & Stories als Graphic Novel-Spezialisten wäre es doch geradezu gut für das Geschäft, wenn sie als „die Guten“ wahrgenommen würden...

Ebert: Ja, das wäre im Grunde gut für uns. Wobei meine Frage wäre, ob Lars von Törne möglicherweise die Auswirkungen der Graphic Novel-Debatte nicht ein wenig überschätzt hat. Ich kenne mich in der Comicwelt, die dadurch gefährdet sein soll, nicht wirklich aus, aber das wäre trotzdem meine Vermutung. Die Unterschiede zwischen den Comics sind doch sehr groß, ich selbst verstehe bei manchen Comics auch oft nicht, warum die lesenswert sein sollten (genauso wie ich nicht verstehe, warum jemand Reggae hört). Aber ich glaube nicht, dass der gesellschaftliche Diskurs so weit reicht, um Comics jenseit der Graphic Novel platt zu machen oder abzuwerten.
Wir benutzen nach wie vor das Graphic Novel-Label als Werbung und für wenig comicaffine Leute funktioniert das auch gut. Diese Leute würden die anderen Comics, die anscheinend dadurch abgewertet werden, eh nicht kaufen. Aber unser Anspruch ist es, gute Comics im Laden zu haben und das heißt, dass wir auch Bücher ins Programm nehmen, die möglicherweise keine Graphic Novel sind oder schlechte Graphic Novels nicht lange im Regal haben. Das ist ja die sozusagen gute Kehrseite des schwer zu definierenden Begriffes: Dass man ihn selbst mit Inhalten füllen kann und unsere Kunden nehmen das dankbar an, egal, ob sie nun EinsteigerInnen oder Nerds sind. Und was auffällig ist: je häufiger Leute kommen, beziehungsweise wiederkommen, desto weniger wichtig wird die Kategorie.

Ist es einfacher, Manga-Leserinnen für andere Comics zu begeistern oder die Graphic Novel-Kundschaft für andere Titel?

Alisch: Zum Glück kommen zu uns kaum wirkliche "Tunnelblicker". Die meisten sind da nicht auf ein einziges Genre oder ein abseitiges Randgebiet festgelegt: Superhelden-Fans fragen schon mal nach „Didi & Stulle“, Manga-Leserinnen nach „Deadpool“ oder „Sandman“, und Fantasy-Fans nehmen auch Reprodukt-GraNos wie „Jenseits“ in die Hand. Aber generell versuchen wir nicht in erster Linie Interesse von Kunden „umzudrehen“ sondern diese zu bedienen.

Kornacker: Manga-Leser sind viel offener für andere Genres und inzwischen decken auch viele Verlage den Übergang von Manga und Comics. Die Begeisterungsfähigkeit beim jungen Manga-Publikum ist großartig und braucht nur wenig Impulse. Bei der Graphic Novel-Kundschaft muss selbst bei dem von ihnen bevorzugten Titeln zum Kauf überzeugt werden. Es ist das beratungsintensivste Publikum. Bei der Manga-Kundschaft kann man ohne Probleme die Vielfalt präsentieren und dank ihrer visuellen Schulung durch Manga schrecken sie auch vor keiner schwierigen Panelführung zurück.

Ihr führt bei Strips & Stories nicht ausschließlich Graphic Novels, sondern auch andere Comics und Illustrations-Veröffentlichungen. Gibt es bei der Kundschaft Hemmungen, sich auch damit zu befassen?

Ebert: Weil wir das nicht thematisch getrennt haben, bemerkt die Kundschaft den Unterschied oft gar nicht. Wir haben aber eindeutig mehr Kunden, die gern und viel Romane lesen und auch mal eine Graphic Novel lesen wollen als Comicleute, also primäre LeserInnen von Manga, Superhelden und Abenteuer-Comics, die über ihren Tellerrand hinausblicken wollen. Zugespitzt formuliert: Unsere Erfahrung ist, dass langjährige Comicleser oftmals konservativer sind, als Neulinge. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Wie Lars von Törnes Text zeigt, lief die Graphic Novel-Diskussion lange Zeit auf zwei Ebenen: Einerseits auf der inhaltlichen, andererseits auf der merkantilen. Schaut man sich die Entwicklung der Programme an, scheinen die Verlage nun schon einige Schritte weiter: Vielerorts wird der Fokus erweitert, für Alben, Kindercomics usw. und neue Programmsparten etabliert. Ist die Graphic Novel-Diskussion zumindest seitens der Marktentwicklung beendet?

Ebert: Für uns schon. Wir haben „Graphic Novel“ seit jeher als funktionierendes Marketing-Label benutzt. Vor allem auch deshalb, weil die meisten Comics, die uns selbst gut gefallen, am besten in diese Kategorie passten. Die von dir angesprochenen Fokuserweiterungen lassen sich in dieses Konzept gut integrieren.

Trautner: Diese Diskussion um Graphic Novels hat bei uns so nie stattgefunden!!

Alisch: Diese Anti-& Pro-GraNo-Fraktionen kennen wir nur von Twitter und anderen Social Media-Plattformen – und haben dort ja durchaus unseren Spaß dran! Im Alltag spricht uns da allerdings kaum jemand drauf an, weil Leute zu uns kommen, die in erster Linie an interessanten Comics und entsprechenden Comic-Produkten interessiert sind und weniger an lustigen Sprüchen aus dem Internet.

Kornacker: Es bleiben nach wie vor Definitionsprobleme. Viele Kunden haben eine klare Vorstellung von dem Begriff Graphic Novel, diese Vorstellung ist aber von Kunde zu Kunde extrem unterschiedlich. Wie eben schon erwähnt, glaube ich vielmehr an eine Comic-Ära, nie war das Angebot so vielseitig. Es gibt Comics die fast jedes Genre abdecken.

Veränderungen im Vertrieb, der neue „Asterix“, die hohe Anzahl an Veröffentlichungen: Was war in den vergangenen Monaten das wichtigste Thema für euch?

Ebert: Persönlich habe ich mich gefreut, dass wieder einige explizit politische Comics, wie zum Beispiel „Redrawing Stories from the Past“, „Die Heimatlosen“, „Eternauta“ oder „Der Araber von morgen“ erschienen sind. Wer interessiert sich für den neuen „Asterix“, haha?

Kornacker: Für uns sind die großen Mainstream-Kinofilme immer ein großes Thema. „Star Wars“ und „Deadpool“ haben wieder ein großen Boom in unserem Laden ausgelöst und ein starken Umsatzzuwachs bei Merchandise-Artikeln und Panini-Heften verursacht. In drei Monaten haben wir hier in Hannover unsere erste Comic Con, die auch die Mainstream-Themen bedienen wird. Wir hoffen auf regen Zulauf.

Trautner: Natürlich war „Asterix“ ein Riesenerfolg, nochmals deutlich stärker als der Vorgängerband. Ansonsten waren die letzten Monate ohne großen Aufreger.

Alisch: An Veränderungen bei Comic-Vertrieben sind wir wegen unserer vielen Importe gewöhnt, aber der Niedergang von MSW und Kult Editionen hat uns wegen der persönlichen Bekanntschaft und 30-jähriger Zusammenarbeit schon sehr berührt.
Der Verkaufserfolg der Splitter-Serie „Die alten Knacker“ hat uns aus inhaltlichen Gründen gefreut – und der schnelle Nachdruck der ausverkauften Erstauflage gleich nochmal aus finanziellen Gründen. Überrascht hat uns das große Interesse bei den von Panini initiierten Events wie „Star Wars-Tag“ und „Deadpool-Day“. Mit dem großen Erfolg von „Asterix“ hatten wir schon im Vorfeld gerechnet, aber wir sind trotzdem immer wieder erfreut, wie viele neue Gesichter wir an diesen Erstverkaufstagen eines jeden neuen Bandes im Laden sehen.

Wo liegen aus eurer Sicht derzeit die großen Chancen und Herausforderungen im Comichandel?

Trautner: Als Herausforderung sehe ich die hohe Anzahl der Neuerscheinungen und dann logischerweise auch die attraktive Präsentation der Backlisttitel. Als Chance sehe ich die vielen Comic-Blockbuster wie „Deadpool“, „Batman vs Superman“ oder „Civil War“. die dieses erste Halbjahr im Kino anlaufen werden beziehungsweise schon angelaufen sind. Da können wir noch viel neues Publikum rekrutieren.

Kornacker: Comics werden immer gesellschaftsfähiger. Je offener sich Comicläden präsentieren, desto mehr Menschen akzeptierten sie als Sortimentsbuchhandlung. Das heißt für uns: Schöne Präsentation, Licht, Sauberkeit, Abwechslung im Sortiment. Nie war die Chance größer, den Laden für alle zu öffnen.
Immer schwieriger werden die vielen speziellen Fragen in jedem Genre. Inzwischen hat jeder Mitarbeiter bei uns großes Fachwissen in seinem bevorzugten Interessenbereich.

Ebert: Wir haben uns in den letzten fünfeinhalb Jahren etwas aufgebaut, obwohl die meisten Beobachter davon ausgingen, dass wir mit unserem Graphic Novel-Schwerpunkt zum Scheitern verurteilt sein würden. Es hat sich gezeigt, dass in dem Feld tatsächlich eine Lücke herrschte. Natürlich ist es in Zeiten von immer größerer Marktkonzentration und zunehmenden Onlinehandel immer eine große Herausforderung, einen kleinen unabhängingen Buchladen zu betreiben, aber mit viel Unterstützung aus dem Viertel und der Szene haben wir das hinbekommen und werden das auch in Zukunft tun.

Alisch: Wenn Amazon nun auch stationäre Buchläden eröffnet, müssen wir in den vergangenen 35 Jahren wohl einiges richtig gemacht haben. Chancen und Herausforderungen ergeben sich jeden Tag: Wenn sich die Ladentür öffnet und potentielle Kunden gedrucktes Material in die Hand nehmen...

Und abschließend: Was ist für euch das Comic-Ereignis des Frühjahres?

Kornacker: MCM Comic Con Hannover.

Alisch: Wir freuen uns vor allem auf die immer wieder äußerst lebendige ComicInvasionBerlin m April und die beiden Publikums- & Verkaufshöhepunkte im Mai: Free Comic Book Day und Gratis Comic Tag. Und ansonsten lassen wir uns gern von den kommenden ca. 500 deutschsprachigen Neuerscheinungen – allein im Frühjahr – überraschen.

Ebert: Der Millionaires Club in Leipzig. Das Festival spielt für den Laden direkt nicht die größte Rolle, wird aber von FreundInnen von uns organisiert, die wissen, wie man ein schöne und spannende Veranstaltung auf die Beine stellt. Darüberhinaus freuen wir uns schon auf die von uns mitpräsentierten Graphic Novel Tage des Hamburger Literaturhaus im Mai, unter anderem mit Olivier Schrauwen, Dominique Goblet und Tommit Musturi!

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Die Fotos zeigen (von oben nach unten) Innenansichten der Läden Strips & Stories, Comix Hannover, Ultra Comix sowie Grober Unfug.
Abbildungen © Kati Rickenbach, © Gratis Comic Tag

Ende 2015 sprach ich mit Ekki Helbig von Terminal Entertainment in Frankfurt. Seine Einschätzungen gelten weiterhin.

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