Frankfurter Buchmesse 2015 – Kurze Rückschau

Natürlich kehrt man leicht angeschlagen aus Frankfurt zurück. Die obligatorische Grippe gehört scheinbar zum unverzichtbaren Accessoire im Anschluss jeder Buchmesse. Dabei lag es in meinem Fall nicht mal an einer besonders stressigen Vormessezeit, vielleicht eher an einer körperlichen Gewöhnung: Zur Buchmesse erwartet der Körper das einfach, so hat er es in den Jahren gelernt, als sich in den Vorwochen zur Messe vor allem Produktionsangelegenheiten von Büchern zu Werbematerial auf dem Schreibtisch stapelten und der Vormesse-Stress im Nachhinein seinen Tribut forderte.

Im Vorfeld der Messe wurde bereits angekündigt, dass in Sachen Comic-Veranstaltungen der Schwerpunkt weg von Fan-Events hin zu Fachbesucherterminen verschoben würde – eine Anpassung ganz im Sinne der diesjährigen Veränderungen, die größere Teile der Messe betrafen: So wurden Hallenpläne teilweise neu angelegt um bessere Geschäftskontakte zu ermöglichen. Sichtbar wurde das in Halle 3.0, dem ehemaligen Standort des Comic-Zentrums. Dessen Überreste waren noch weiter zusammengeschrumpft. Rund um den Gemeinschaftsstand befanden sich nur noch wenige Händler, nur Cross Cult hatte hier als einziger Verlag mit einem eigenen Stand die Stellung gehalten. Der Gemeinschaftsstand selbst zeigt sich ebenfalls im noch einmal kleineren Format: Zwei Wände zeigten Novitäten von sieben Verlagen, die wie Knesebeck und Carlsen zum Teil auch andernorts auf der Messe vertreten waren. Spürbar eingedampft war auch das Veranstaltungsprogramm seitens der Verlage (siehe hier zu Graphic Novels), die sich noch mehr auf Termine konzentrierten, die in der Öffentlichkeit weniger Beachtung finden: Lizenzgespräche, Empfang von BuchhändlerInnen, Pflege von Presse- und Geschäftskontakten, etc. Für die vielen wie immer anwesenden Verlage außerhalb des ehemaligen Comic-Zentrums, ob nun Carlsen oder Egmont in Halle 3.0, avant, Edition Moderne oder Reprodukt in Halle 4.1 oder die weiteren Verlage, die auch, aber nicht nur Comics im Programm haben (Suhrkamp, Knesebeck, Metrolit, etc.) war die Messe so gesehen Business as usual.

Natürlich kann man das Schrumpfen des Comic-Bereichs weiter bedauern, es ist immer schade, wenn Orte, an denen Comics sichtbar sind, wegfallen. Andererseits ist die Buchmesse nicht in erster Linie eine Entertainmentveranstaltung für Leserinnen und Leser und wird von den Verlagen nur bedingt so genutzt. Comic-Verlagen stehen eine Reihe von weiteren Börsen, Messen und Festivals offen, auf denen sie sich präsentieren können und mit den kommenden Cons sind es noch mehr als zuvor. Dass hier im Zweifelsfall die Entscheidung gegen die kostspielige Präsenz in Frankfurt gefällt wird, ist nur folgerichtig. Auf der Buchmesse präsent zu sein ist für die vielen Comic-Kleinverlage nicht in dem Maße ein Muss wie zum Beispiel für Belletristik-Independents, die nicht aus einer solchen Bandbreite möglicher Veranstaltungen auswählen können.

Mit einem Graphic Novel-Veranstaltungspaket, bestehend aus Networking-Möglichkeiten (siehe Foto oben), einem Vortrag und einer Führung, setzte die Messe am Freitag ihrerseits einen Veranstaltungsschwerpunkt für FachbesucherInnen. Als erstmaliger Leiter der internationalen Graphic Novel-Führung will ich diesen aber nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Von allen 15 offiziellen Messe-Führungen, zum Beispiel zu den Themen Kunstbuch & Fotografie oder zu deutschen Kinderbuchverlagen, fand diese mit 40 Anmeldungen die mit Abstand größte Resonanz. Hier wird sich die Messe bezüglich ihrer Schwerpunktsetzung bestätigt sehen.

Abseits der Messe gab es noch eine Reihe von Comic-Veranstaltungen, allen voran der Comic-Satellit, den ich nur loben kann. Mit Ausstellungs-Rundgang, Pop-Up Store, Lesungen und Parties – alle in Laufweite voneinander – wurde das Messeprogramm angenehm ergänzt. Hier kann man nur hoffen, dass die Comicsolidarity im nächsten Jahr ansetzt und einen weiteren Satelliten startet. Mit der Gastlandregion Holland und Flandern dürften sich, ähnlich wie 2014 mit Finnland, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ergeben. In Sachen Comics war das diesjährige Gastland Indonesien, von einigen Podienveranstaltungen abgesehen, kaum sichtbar.

Abseits des Messetrubels fand sich noch etwas Zeit für den Besuch der Seyfried-Ausstellung in der Caricatura. Gezeigt wurde eine Retrospektive dessen zeichnerischen Schaffens, angefangen von ersten Arbeiten Ende der 1960er hin zu aktuellen Cartoons und Wahlplakaten. Gerade das bis Ende der 1970er in den verschiedenen linken Kontexten Münchens, Berlins und San Franciscos entstandene zeichnerische Werk in schwarzweiss demonstrierte, warum Seyfried der wohl bekannteste Underground-Zeichner aus Deutschland ist. Viele Originale und Publikationen wurden hier in Schaukästen und an den Wänden präsentiert. Einige Fotos aus der Ausstellung wie auch einige Aufnahmen von der Messe finden sich in der flickr-Galerie unten.


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Abbildung © Gerhard Seyfried
 

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