Exklusivdeal mit Skybound – Andreas Mergenthaler im Interview

Wie heute bekannt gegeben wurde, hat Cross Cult einen Exklusivvertrag mit Skybound abgeschlossen: Für die nächsten fünf Jahre haben die Ludwigsburger exklusiven Zugriff auf alle jetzigen und kommenden Comics, die bei der amerikanischen Firma erscheinen werden. Skybound ist das Label des Autors Robert Kirkman, hier erscheinen die von ihm getexteten Serien wie „The Walking Dead“, „Outcast“, „Invincible“ sowie eine Reihe weiterer Serien anderer Künstler. Die amerikanischen Hefte erscheinen unter dem Dach des Image-Verlags, dessen Sub-Labels jedoch den Künstlern selbst gehören und dementsprechende Freiheiten besitzen. Skybound legt großen Wert auf Crossover in andere Medien wie Film und Games und ist so zum Beispiel als Produzent an der TV-Serie „Fear of the Walking Dead“ beteiligt. Zuletzt wurden TV-Serien zur Geschichte der comic books („Heroes & Villains“) und mit „The Mastermind“ eine Kriminalserie unter Beteiligung der Russo-Brüder (u.a. „Captain America: Civil War“) angekündigt.

the-walking-dead-157-coverCross Cult hat bereits eine Reihe von Comics von Skybound im Programm: Neben „The Walking Dead“ werden „Outcast“, „Manifest Destiny“, „Birthright“ und „Super Dinosaur“ in Deutschland veröffentlicht. Einzig „Ghosted“ erscheint bei Panini, die Serie wurde von dem Deal ausgenommen. Im Interview spricht Cross Cult-Mitinhaber Andreas Mergenthaler über praktische und taktische Hintergründe des Vertrags und kündigt mit „Battle Pope“ einen weiteren Comic aus der Feder Robert Kirkmans an.

Dass Cross Cult eine enge Partnerschaft mit Skybound eingeht, scheint mit Blick auf die Veröffentlichungen logisch. Inwiefern war aber die Entwicklung auf dem deutschen Markt ausschlaggebend für die Vereinbarung? Zuletzt steig das Interesse anderer Verlag an amerikanischen Serienstoffen, die typisch für Cross Cult wären.
Eine solche Vereinbarung war von Skybound schon länger gewünscht und angedacht. Die Gespräche haben sich aber ein paar Monate hingezogen. Da wir mittlerweile weitere Skybound-Serien ins Programm genommen hatten, waren wir wohl einfach die logische Wahl. Ich schätze, Skybound strebt solche Deals in möglichst vielen Ländern an, damit die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Hauptpartner vereinfacht und gleichzeitig intensiviert werden kann. Übrigens möchte Skybound dann auch die Veröffentlichungstermine der fremdsprachigen Lizenzausgaben auf ihrer Website ankündigen.
manifest-destiny-22-coverFür uns bietet die Vereinbarung natürlich auch viele Vorteile: Wir können in Ruhe Stoffe aussuchen und zeitlich passend einplanen, ohne dass wir gegen andere deutsche Verlage bieten müssen. Das läuft ja des öfteren darauf hinaus, dass man einen zu hohen Vorschuß bietet, den man nie wieder erwirtschaften kann. Zudem bestand, trotz der guten Zusammenarbeit mit Skybound, immer die Gefahr, dass ein größerer Verlag einem Lizenzen abnimmt. Bei aller Liebe kommt es am Ende ja doch oft auf’s Geld an. Und „The Walking Dead“ ist derzeit mit Abstand unser finanziell lukrativster Titel, der bei anderen Verlagen sicherlich Begehrlichkeiten weckt. Es gab keine Anhaltspunkte, dass sich jemand „The Walking Dead“ schnappen möchte, aber sicher ist sicher ...
Dass nun auch einige andere Verlage verstärkt US-Independent-Comics veröffentlichen hat die Konkurrenzsituation natürlich erhöht. Was aber für uns aber nicht all zu tragisch ist. Einige Titel der letzten Zeit hätten wir auch gerne gebracht, die sich am Ende dann aber doch eher als laues Lüftchen anstatt als Superhit entpuppt haben. Es ist also nicht schlimm, dass unser Programm klein und überschaubar bleibt. Bei einer neuen Image-Serie haben wir uns allerdings sehr bemüht, den Zuschlag zu bekommen – was wir dann auch geschafft haben, mit einem hohen Vorschuß und besonderen Marketing-Ideen: „Monstress“. Im großen Programm von Image, mit nicht wenigen Perlen, ist diese Serie die in unseren Augen außergewöhnlichste und interessanteste der letzten Jahre. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir da die Konkurrenz auf Abstand halten konnten. Der Start von „Monstress“ wird unser Highlight im Herbst/Winter. Die Zeichnerin der Serie, die Japanerin Sana Takeda, wird Gast auf der German Comic Con Dortmund sein. Darauf freuen wir uns schon sehr.

outcast-20-coverGibt es eine Verpflichtung, eine bestimmte Zahl von Serien zu übernehmen?
Nein, da gibt es keine Vorgaben. Wir können ganz frei entscheiden. Es ist ja auch nicht alles Gold, was Skybound im Programm hat. Was die Kalkulationen etwas erleichtert und es wahrscheinlicher macht, dass wir nun Skybound-Titel bevorzugen, ist der Umstand, dass wir als Teil des Deals keine Materialkosten mehr bezahlen müssen. Bei dicken Sammelbänden hat das Datenmaterial schon mal einige Tausend US-Dollar gekostet.

Gibt es schon neue Titel, die für eine Veröffentlichung vorgesehen sind?
Noch nicht, der Vertrag wurde ja gerade erst fix gemacht. Wir haben noch genug Zeit, um die Titel für 2017 zu planen. Außerdem hoffen wir natürlich auf neue Serien von Kirkman oder neue TV- oder Filmdeals. Solche Serien hätten dann natürlich vorrang. Vielleicht gibt es ja schon im Rahmen des San Diego Comic Con neue Infos. Wir können dem jetzt ganz ruhig und gelassen entgegensehen und müssen nicht denken „Ui, das wird ein Kracher, aber da werden sich jetzt sicher alle Kollegen draufstürzen“.

Wie sieht es mit dem Frühwerk von Robert Kirkman aus, bzw. andernorts gestarteten Serien? Ich denke da an „Invincible“, das bei Nona Arte begonnen wurde oder „Dieb der Diebe“ bei Panini.
Wir denken zuerst an Kirkmans „Battle Pope“ und „Astonishing Wolf-Man“, die noch nie auf deutsch erschienen sind und die einen übersichtlichen Umfang haben – man kann sie also gut als Gesamtausgaben veröffentlichen. Bei „Invincible“ ist der enorme Umfang der Serie ein Hindernis, bei „Thief of Thieves“, dass Panini die Serie schon angefangen hatte…

Wird es aus Deiner Sicht in Zukunft häufiger zu solchen Exklusivverträgen kommen?
Schwer zu sagen. Vor einigen Jahren hat es auch Gespräche mit Dark Horse gegeben. Da wären dann aber Lizenzen wie „Star Wars“ oder „Avatar“ außen vor gewesen, weil diese lizenztechnisch nicht über Dark Horse laufen. Und heutzutage hat Dark Horse leider nicht mehr so starke Titel wie noch in den Zeiten, als „Sin City“ und „300“ neu erschienen sind. Und nur wegen der Aliens- und Hellboy-Universen lohnt sich so ein Deal nicht. Ich wüsste nicht, welcher Partner aktuell noch für uns in Frage kommen würde. Für Panini ist es natürlich eine schöne Sache, dass sie aufgrund ihrer Exklusivverträge alleine aus den großen Pools der Marvel- und DC-Titel schöpfen können. Diese Titel allein füllen einen Großteil ihres eh schon sehr umfangreichen Programms. Exklusivverträge mit Image, Dark Horse oder IDW stehen deshalb also auch bei den Kollegen wohl nicht auf der Tagesordnung.

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Abbildungen © Skybound

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