darüber hinaus (42)

Die französische Kritikervereinigung ACBD (Association des Critiques et journalistes de Bande Dessinée) hat eine Liste mit 20 "unverzichtbaren" Büchern veröffentlicht, die in den vergangenen Monaten erschienen sind. Eine interessante Empfehlungsliste, von der viele Titel auch bereits auf deutsch vorliegen bzw. mit deren Veröffentlichung zu rechnen ist (z.B. "Der Araber der Zukunft 2"). Hier also die Liste

• "Amère Russie T2 : Les Colombes de Grozny" von Anlor & Aurélien Ducoudray (Bamboo)
• "L’Arabe du futur T2 : Une jeunesse au Moyen-Orient (1984-85)" von Riad Sattouf (Allary)
• "Le Caravage T1 : La Palette et l’Épée" von Milo Manara (Glénat)
• "Catharsis" von Luz (Futuropolis)
• "Les Esclaves oubliés de Tromelin" von Sylvain Savoia (Dupuis)
• "Ici" von Richard McGuire (Gallimard)
• "La Favorite" von Matthias Lehmann (Actes Sud)
• "Glenn Gould: une vie à contre temps" von Sandrine Revel (Dargaud)
• "Kersten, médecin d’Himmler T1: Pacte avec le mal" von Fabien Bedouel & Pat Perna (Glénat)
• "Le Grand Méchant Renard" von Benjamin Renner (Delcourt)
• "Little Tulip" von François Boucq & Jerome Charyn (Le Lombard)
• "Moi, René Tardi prisonnier de guerre au Stalag II B : mon retour et la suite" von Jacques Tardi (Casterman)
• "Panthère" von Brecht Evens (Actes Sud)
• "Petit-fils d’Algérie" von Joël Alessandra (Casterman)
• "Le Rapport de Brodeck T1: L’Autre" von Manu Larcenet (nach Philippe Claudel, Dargaud)
• "La République du catch" von Nicolas de Crécy (Casterman)
• "Le Sculpteur" von Scott McCloud (Rue de Sèvres)
• "Un amour exemplaire" von Florence Cestac & Daniel Pennac (Dargaud)
• "Un certain Cervantès" von Lax (Futuropolis)
• "Undertaker T1: Le Mangeur d’or" von Ralph Meyer & Xavier Dorison (Dargaud)

Glückwunsch auch an die Edition Moderne: Sie erhält von Stadt und Kanton Zürich insgesamt großzügige SFr. 12.000,– für "Repräsentationsaktivitäten im In- und Ausland", also vor allem Messeauftritte. Nachdem die Währungsbindung des Franken an den Euro Mitte Januar abgeschafft wurde, sehen sich schweizer Verlage mit großen Verlusten bei Verkäufen im Ausland konfrontiert (siehe Interview mit David Basler von der Edition Moderne hier). Einige Verlage, wie zum Beispiel Diogenes, hatten daraufhin Sparmaßnahmen angekündigt und die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse abgesagt. Der so genannte Verlagsbeitrag 2015 wurde als Reaktion darauf eingerichtet, um Verlage in diesen Dingen zu unterstützen.

Comic Transfer heisst das Projekt des Goethe-Instituts, mit dem Zeichnerinnen und Zeichner aus Belgien, Frankreich, Italien, dem Libanon, Marokko, Portugal, Spanien und Deutschland andere Länder bereisten und darüber Comics und Illustrationen bloggten. Natürlich war es immer schön, Beiträge von Leuten wie Zeina Abirached, Anna Deflorian, Aisha Franz und den vielen anderen zu lesen, wirklich umfassend oder substanziell war dabei nicht Vieles. Eine Gesamtschau ist wahrscheinlich die richtige Präsentationsform. Und die wird es geben, wenn mit einer Ausstellung auf dem Comicfestival Hamburg Anfang Oktober und einer e-book-Veröffentlichung der Beiträge Comic Transfer bald enden wird.

Erster Gast auf der Vienna Comic Con ist die amerikanische Cosplayerin LeeAnna Vamp, womit das Festival unterstreicht, dass der eigene Cosplay-Wettbewerb am konzerneigenen internationalen Cosplay-Wettbewerb angeschlossen ist. Vamp wird in der Jury mitentscheiden, wer zum Finale nach Chicago reisen darf. New Business Group Director bei Reed Exhibitions Barbara Leithner verrät im Interview auf comic-report.de keine wesentlichen Neuigkeiten, unterstreicht aber die eigene Professionalität: "Und mit dem Know-How von ReedPOP im Gepäck haben wir ein Asset, das unsere Konkurrenz nicht hat." Eine erste detaillierte Ankündigung der Comic Con Germany mit Termin, Ort und ersten Gästen wird in den nächsten Tagen erwartet.

File under: Nichtmeldung. Zunächst hörte es sich wie eine Goldgrube für Comicschaffende an: Amazons Ankündigung, bei geliehenen E-Books ab sofort AutorInnen für gelesene Seiten zu bezahlen, wird nur für Textveröffentlichungen gelten.

Ulli Lust war in Hiroshima zu Gast und hat dort einen Manga-Workshop geleitet. Uns hat sie einige Fotos mitgebracht, die sie auf ihrem Blog zeigt.

Eine inhaltliche Problemstellung, mit der sich vor allem die großen zwei US-Verlage Marvel und DC herumschlagen müssen, ist Continuity. Inwieweit haben Ereignisse aus der Vergangenheit Auswirkungen auf Figuren heute? Für eine stringente Erzählung ist sie natürlich unverzichtbar, für Neueinsteiger ist es aber schwer, sich mit den Details aller Geschichten eines Charakters vertraut zu machen, was dann zu ungefähr solchen Dialogen führen kann: "Warum macht X jetzt das?" – "Na weil X damals mit Y in der Geschichte ABC mit der Freundin von X, also Z, diesunddas gemacht hat. Sie war damals nur ein Klon, weil aber Universum © und Universum @ verschmolzen sind, macht das nichts mehr aus." Mit dem Thema befasst sich Jaime Weinman in einem Artikel auf macleans.ca: "Comics: the continuity conundrum – In an age of reboots and personal expression, is continuity the devil for comics?" (via comicgate.de). Eine Antwort darauf geben Marvel und DC mit ihren derzeitigen Ankündigungen: Serien-Neustarts, die neuen Fans den Einstieg erleichtern.

Apropos Marvel: Besitzer eines Kindle-Readers werden künftig die Möglichkeit haben, die englischsrachigen Originalausgaben direkt im Kindle Store zu beziehen.

Und wo wir gerade in den USA sind: Ben Schwartz schreibt für den New Yorker über das überraschend aktuelle Familienbild im Comic Strip "Gasoline Alley", den Frank King von 1918 bis 1959 zeichnete. Der Strip verfolgt unter anderem, wie der anfangs allein stehende, später mit einer Witwe verheiratete Walt das Findelkind Skeezix aufzieht: "An Old Comic Strip About Modern Fatherhood".

Am 23. Juli kommt "Ant Man" in die Kinos, was derzeit mit einer Reihe neuer Clips flankiert wird. Wie genau der Film sich zwischen Komödie, Action und Drama einsortieren wird, kann wohl erste Ende Juli entschieden werden, die bisherigen Ausschnitte legen bisher nicht nah, dass der Film sich da festlegt. (Video unten)

Ob die Verfilmung von Manu Larcenets "Der Alltägliche Kampf" jemals in die hiesigen Kinos kommt, oder ob er sich einreihen wird in die Reihe französischer Comic-Verfilmungen, die es hierzulande bestenfalls zu einer Homevideo-Veröffentlichung bringen, steht noch in den Sternen. In Frankreich kommt "Le Combat Ordinaire" mit Nicolas Duvauchelle, Maud Wyler und André Wilms unter der Regie von Laurent Tuel jedenfalls Mitte Juli in die Kinos. (Video unten)

Und dann noch das: Fred Astaire legt in einem TV-Special von 1959 in Verkleidung eine flotte Sohle aufs Parkett – als Alfred E. Neumann (ab 4:00min). Ob er sich damit auf die damals schon länger bekannte "What, Me Worry?"-Figur bezieht, oder direkt aufs Mad-Magazine, das Alfred E. Neumann als Maskottchen adoptierte, lässt sich leider nicht klären. So oder so: ein schönes Fundstück. (Dank an Stefan Dinter, Video ganz unten).
 

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