darüber hinaus (33)

Einhunderttausend Euro. Das ist eine erhebliche und für den deutschen Comicmarkt unerhörte Summe. So viel bezahlte die Niedersächsische Sparkassenstiftung nun für die Originale von Peter Eickmeyers Remarque-Adaption "Im Westen nichts Neues". Wie sich dem Bericht in der Neuen Osnabrücker Zeitung entnehmen lässt, kommen hier einige Faktoren zusammen: Trendthema Graphic Novel, lokaler Künstler, wohlhabende Stiftung, gute Vernetzung vor Ort und ein im Vergleich zu sonst für Kunst aufgewendete Summen überschaubarer Betrag. Dieser scheint auch nicht überhöht, wenn man ihn auf Einzelseiten (rund 80, plus rund 100 Skizzenblätter) runterbricht: Ähnlich umfangreiche Konvolute etablierter Comic-AutorInnen sollten keine geringeren Preise erzielen. Trotzdem ist nun nicht davon auszugehen, dass solche Beträge in naher Zukunft häufiger aufgerufen werden, da eine solche Konstellation doch eher selten sein dürfte. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, die Zeichnerinnen und Zeichner hätten es verdient und Eickmeyer kann man nur gratulieren.

Ohne viel Brimborium kündigt der mairisch verlag “Die Wurzeln der Lena Siebert” von Raphaela Buder an, den Siegertitel des diesjährigen AFKAT-Förderpreises, der eine Buchveröffentlichung mit einschliesst. Auch hier: Glückwunsch!

Für Le Monde berichten der Fotograf Guillaume Herbaut und der Comiczeichner Jean-Philippe Stassen aus der Ukraine. Auf ihrem Blog versammeln sie Eindrücke in Fotos, Videos und eben Comics. Sehenswert!

Warum zum Henker habe ich noch nie auf das Yakari-Musical hingewiesen? Es tourt weiterhin erfolgreich durch den deutschsprachigen Raum, als nächste Orte stehen Suhl, Magdeburg und Zwickau auf dem Programm.

Pünktlich wie ein schweizer Uhrwerk erscheint dieser Tage die neue Ausgabe des Strapazins. Nummer 118 ist eine schweizer-russische Zusammenarbeit unter dem Titel "Pas de deux", in der sich eine Reihe von Zeichner und Zeichnerinnen beider Länder über einen längeren Zeitraum austauschen: Lika Nüssli, Viktoria Lomasko, Askold Akishin, Julia Marti & Milva Stutz, Pierre Wazem, Olga Lawrentjewa, Isabel Peterhans, Polina Petrouchina, Simon Kiener, Varvara Pomidor, Andreas Kiener und Galja Panchenko. Neben dem neuen Magazin ist eine Ausstellung auf dem Fumetto, das kommenden Samstag eröffnet, ein Ergebnis der Kooperationen. Weitere Events sind schon geplant, zum Beispiel auf dem Boomfest in St. Petersburg.

Inspiration für meine Auflistung zu Mappen und Manuskripten und wie man sich bei Verlagen bewirbt, war diese Übersicht auf dem Blog von Jason Thibault, der nordamerikanische Verlage auflistet und wie es bei Ihnen gehandhabt wird.

Eine neue Ausgabe gibt es auch vom š!: Nummer 20 widmet sich Comics aus Portugal. Beiträge kommen hier von Amanda Baeza, André Lemos, André Pereira, Bruno Borges, Cátia Serrão, Daniel Lima, Daniel Lopes, Filipe Abranches, Francisco Sousa Lobo, Joana Estrela, João Fazenda, Marta Monteiro, Milena Baeza, Paulo Monteiro, Pedro Burgos, Rafael Gouveia und Tiago Manuel. Das Vorwort von Marcos Farrajota lässt sich hier lesen.

Marcos Farrajota sucht nun auch Beiträge für seine eigene Anthologie Zona de Desconforto (hier ein Blick in die englischsprachige Ausgabe). Gesucht werden Beiträge, die sich mit Portugal befassen, ob aus der Sicht als Austauschstudent oder eines Arbeiters. "We want autobiography, with some political and/or social point of view." Habt ihr was zu erzählen? Dann schnell eine mail schicken!

"Ich finde den Begriff Graphic Novel gut. Es ist ein Marketingbegriff. Er öffnet Türen. Er bringt Leute zum Comic, die sonst darüber die Nase gerümpft haben. Und er lässt Journalisten über Comics schreiben, die das sonst nicht gemacht hätten. Man darf halt nur nicht daraus ableiten, dass Graphic Novels die besseren Comics wären. Es sind im Moment nur die Zugpferde. Irgendwann, wenn sich das Bild in den Köpfen, Comics seien Schund, geändert hat, können andere übernehmen." sagt Flix, der zuletzt auf facebook zeigte, dass er sich vor allem zeichnerisch weiterentwickelt hat (1, 2).

Cyril Pedrosa hat nun auch einen Tumblr, auf dem er unter anderem Skizzen und Studien zeigt. Das zeige ich natürlich nur zu gerne. Einen neuen Blog hat sich auch Anke Feuchtenberger gegönnt: supertraene.blogspot.de.

Das Ligatura-Festival in Poznan richtet in diesem Jahr gleich zwei Wettbewerbe aus: Noch bis zum 15. April kann man sich für das Ligatura Pitching bewerben. Zehn Künstlerinnen oder Künstler werden zum Festival eingeladen, wo sie ihr Projekt einer Jury in einer füfnminütigen Präsentation vorstellen können. Der Siegerbeitrag wird dann gedruckt. Gedruckt wird auch ein Comic Cook Book, tatsächlich ein Kochbuch, das aus einseitigen Kochrezepten in Comicform bestehen soll. Hier hat man noch ein wenig länger Zeit, sich zu bewerben, bis zum 24. Mai. Ach ja: In der Jury sitzt auch ein gewisser Christian Maiwald. Ich freue mich schon!

Auf ohisee.org gibt es die biografischen Comicreportagen von LGBTI*, die Martina Schradi auf deutsch unter dem Titel "Ach, so ist das?!" veröffentlicht, nun auch auf Englisch. Am kommenden Samstag gibt es Vorstellungen des Projekts auf dem SchülerInnen-Symposium basis15 in Nürnberg sowie in Erlangen beim Workshop zum Thema “Homosexualität und queere Lebensformen an der Schule”.

Auf stern.de schliesst der Comic-Blog von Jens Wiesner. Schade, eine weiteres U-Boot in einem Medium mit hoher Reichweite weniger. Wie Wiesner ankündigt wird er auf seiner eigenen Website aber weiter über Comics schreiben.

"Jetzt reicht´s in Sachsnitz" ist ein Comic-Projekt, für das derzeit auf startnext Geld gesammelt wird. Es geht um Ausländerfeindlichkeit und Asylsuche, darüber berichten auch die Dresdner Neuesten Nachrichten. Ich sehe es ja wie Henry Rollins: Man könnte mir stundenlang versuchen, zu erklären, was das mit den Hautfarben so bedeutet und warum Rassismus eine natürliche Sache sein soll – ich würde es einfach nicht verstehen. Das Comic-Projekt leuchtet nach Sekunden ein. Refugees Welcome.

"Liebe und Monster"Adrian vom Baur weiss, was einen guten Comic ausmacht. Zwei 24-Stunden-Comics hat er unter diesem Titel nun in einem Heft zusammengefasst. Das gibt es bald auf Kwimbi – und auch auf englisch.

Neu auf patreon: Leanders Feine Linie.

Unten dann noch zwei Trailer und ein weiteress Video: Zuerst für die nächste Comicverfilmung, nämlich "Paul à Québec", basierend auf dem Comic von Michel Rabagliati. Wie es aussieht, wird es einer dieser Filme, die Drama und Komödie unter einen Hut zu bringen versuchen und dabei "vom Leben" handeln. Das könnte klappen, denn die Bücher Rabagliatis um den Protagonisten Paul bieten sich dafür an. Vor Jahren erschien auf Deutsch "Pauls Ferienjob" bei Edition 52.

Darunter der Trailer zum Videospiel zu "LastMan", der gerade bei Reprodukt gestarteten Comic-Serie. Tatsächlich ziehen Vivès, Balak & Sanville ihren Plan durch, aus der Geschichte nun auch noch ein Prügelspiel zu drechseln. Kommt im Herbst für PC und Konsolen.
Für diese Plattformen ist übrigens auch das "Battle Chasers"-Spiel geplant, das derzeit in Mache ist, wie Joe Madureira nun ankündigte. Die Comic-Serie will er ebenfalls fortsetzen.

Dann zeigt Christophe Blain noch, wie er arbeitet und zwar nicht an "Isaak der Pirat #6".

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Offenlegung: "Pauls Ferienjob" habe ich 2008 für die Edition 52 gelettert.
 

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