darüber hinaus (32)

1984 dachte man sich bei Marvel "Secret Wars" aus, ein titelübergreifendes Crossover, das mit der Veröffentlichung des dazu gehörigen Spielzeugs einherging. Viele Marvel-Helden wurden auf einen Planeten teleportiert um in einer "Battleworld" gegeneinander anzutreten. Es geschah so dies und das. 21 Jahre später hat sich das Marvel-Universum in vielen Dingen verändert und auch in Sachen Aufmerksamkeitsgenerierung ist es mit einem einfachen Zwöflteiler nicht mehr getan. Schon die Tatsache, dass die "Secret Wars"-Idee hervorgekramt wird, lässt aufhorchen: Jetzt bekommen nicht nur Charaktere und Titel, sondern gleich ganze Crossover-Konzepte eine Neuauflage. Und die neue "Battleworld" besteht nun aus ungefähr so vielen Ländern, wie 1984 noch Superhelden und Bösewichte beteiligt waren: Die Karte zeigt ganze 41, wobei Manhattan sich noch in vier einzelne Welten aufteilt. Jedes dieser Länder steht nun für eins der zahlreichen Marvel-Universen, die sich über die Jahre ergeben haben: Alternativen Erzählungen und Was-wäre-wenn-Welten wie in "Future Imperfect", "Age of Apocalypse" oder "1602" gab es in den vergangenen Jahren zuhauf, und sogar Skottie Youngs "Marvel Babies" finden hier Platz. Einen Überblick über alle bisher bekannte Welten gibt es hier. Wie sie nun gegeneinander antreten und was das für die einzelnen Erzähluniversen bedeutet, ist noch nicht klar. Fest steht, dass mit dem neuen "Secret Wars" eine neue Stufe auf der nach oben scheinbar offenen Event-Skala erreicht wird. Fragt sich, wie lang die Leserschaft diese dauerhafte Eskalation mitmacht.

Dass auch ein kompletter Reboot nur kurzfristige Erfolge bringt, muss DC mit "The New 52" feststellen. Nach ersten Verkaufshochs bei Einführung 2011 gingen die Verkaufszahlen der Titel wieder zurück, die Übersichtlichkeit des entrümpelten Universums wurde auch wieder aufgegeben. Nur einen Monat vor Marvels "Secret Wars" startet im April DCs "Convergence" und schon jetzt ist klar, dass im Anschluss 24 Heftserien enden, die von 24 neuen ersetzt werden, das "New 52"-Label wird nicht weitergeführt. Ein Anlass für dieses sämtliche Titel betreffende Event ist auch der Umzug des Verlags: Mit dem Ende der derzeit laufenden DC-Serien wird auch der Verlag seine Zelte in New York abbrechen und nach Burbank in Kalifornien ziehen. In der Zwischenzeit erscheinen vier "Convergence"-Sonderhefte und ganze 40 Charakter-bezogene "Convergence"-Zweiteiler (Eine Übersicht dazu hier). Auf dem Blog des Groben Unfugs gibt Mike gewohnt offenherzig und fachkundig Überblicke über die Ankündigungen der endenden und im Juni dann neu startenden Serien (1, 2) und zeigt sich dabei – wie sein Kollege Quitzi – nicht besonders optimistisch.

Zack, schon sind sie weg, die Filmrechte für "The Sculptor", also "Der Bildhauer" von Scott McCloud. Laut Hollywood Reporter gab es wohl ein Wettbieten für den Stoff, letztlich ging er an Sony, produzieren sollen Scott Rudin ("The Truman Show", "Grand Budapest Hotel", "Steve Jobs") und Josh Bratman ("Fight Night"). Mehr ist noch nicht bekannt.

Für alle die, die noch nicht wussten, dass der Joker nach dem Vorbild des deutschen Schauspieler Conrad Veidt entstand: "10 Real-Life Inspirations For Comic Book Characters" auf listverse.com – mal ein okayer Klick-Köder.

Auf seinem Blog geht der Comic-Übersetzer und -Journalist Marc-Oliver Frisch auf Interessenkonflikte ein, die sich bei Comic-Rezensionen häufig ergeben. Neben dem aktuellen Fall des lobenden FAZ-Artikels über Riad Sattoufs "Der Araber von morgen" aus der Feder des Übersetzers (mein Artikel dazu hier) bringt er noch das Beispiel des Egmont-Autoren Michel Decomain an, der auf tagesspiegel.de einen Band aus dem selben Haus besprochen hat. Sorgfältigerweise hat er mit Andreas Platthaus von der FAZ und Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne gesprochen, die ihr Vorgehen erläutern. Beim Tagesspiegel wünscht man sich in Sachen Kennzeichnung der Artikel etwas mehr Fingerspitzengefühl, das würde schon reichen. Der Fall der FAZ setzt nun neue Standards. Die hier vorgebrachte Entschuldigung, es sei keine Rezension, sondern eine "Vorabveröffentlichung" (tatsächlich wird das im Lead so benannt), geht spätestens dann an der Sache vorbei, wenn der Band als "ein großartiges Beispiel autobiographischer Literatur" bezeichnet wird und der Schreiber ergänzt "Denn selten habe ich eine überzeugendere Kombination von Witz und Tiefgang gelesen." Hier gerät etwas durcheinander und dass es dem Kritiker nicht bewusst ist, ist das eigentliche Drama. Frischs Fazit "Es herrscht offenbar ein grundsätzlicher Mangel an Sensibilität und journalistischen Standards" muß man wohl um einen Mangel an journalistischem Bewusstsein erweitern.

Ingo Römling arbeitet derzeit am dritten Band von "Malcolm Max", wie man auf dem Blog von Splitter sehen kann. Einen ersten Blick auf Römlings "Star Wars"-Comic gibt es auf jedi-bibliothek.de.

Nochmal Splitter: Hier gibt es auch einen ersten Blick in den neuen Band von "Die Zwerge". Und bei Reprodukt gleich zwei Videos zu Marc-Antoine Mathieu und seinem Band "Richtung".

Das Comicfestival München kündigt an: Eine erste Satellitenausstellung zu Thomas Weyhs fünfbändiger Comic-Reihe “Landshuter Stadtgeschichte”. Außerdem ist die Verlagsmesse ausgebucht.

Marika Herzog sucht noch Hilfe für "Leid und Verderben 2": "Es wären insgesamt 10 Yonkomas (4-Step Comics) wo die Grundierung in MangaStudio 5 coloriert werden müssten, damit ich nur noch Schatten und Effekte setzen muss. Leider hab ich nicht viel für die Gegenleistung außer ein kostenlosen Band von “LuV2” und natürlich Nennung als Assistentin im Impressum und meine unendliche Dankbarkeit!" Unbezahlte Assistentenarbeit – wer kann da nein sagen?!

Gilles Ratier wirft auf bdzoom.fr einen Blick auf die Geschichte des Zack und seine Auslandsausgaben wie Super As und Wham!. Das Foto links zeigt eine unbekannte Mitarbeiterin, daneben der kürzlich gestorbene Gigi Spina und Ralf Kläsener (stehend).

Ihr Sparfüchse da draußen: Zweitausendeins verscherbelt gerade Restbestände der zweiten Graphic Novel-Bibliothek der Süddeutschen Zeitung. "Barfuß durch Hiroshima", "Castro", "Robert Crumbs Genesis", "Gemma Bovery", "Wilson", "Fräulein Else", "Sandman", "Ein neues Land", "Gott höchstselbst" & "Sandmann. Die Zeit des Nebels" zwar in blauen Covern, dafür aber preiswert.

Auf dem Egmont GraNo-Verlagsblog wird Nacho Casanova, Autor von "Intisars Auto", interviewt. Hier gibt es auch einen Bericht von der Ausstellung im Paul-Löbe-Haus, in der unter anderem Bilder aus Michael Kichkas "Zweite Generation" gezeigt werden.

Weiterhin anmelden kann man sich beim Fumetto-Workshop zum Thema Motion Comics.

Falls euch in näherer Zukunft finnische ComiczeichnerInnen in Berlin begegnen, kann das daran liegen, dass sie in der Wohnung der Finnish Comics Society untergebracht sind. Die Ausschreibung läuft gerade. Glückliche Finnen!

Neue Sekundärliteratur: "Superman transmedial – Eine Pop-Ikone im Spannungsfeld von Medienwandel und Serialität" von Stefan Meier und "Graphisches Erzählen – Neue Perspektiven auf Literaturcomics" von Florian Trabert, Mara Stuhlfauth-Trabert, Johannes Waßmer (Hg.). Noch mehr Bücher über Comics stellt die ComFor auf ihrem Blog vor.

Ich weiss nicht ganz genau, was da beworben wird, die Gestaltung des Clips ab 1:19min (Video unten) stammt aber von Inio Asano. Vorher und nachher gibt es weitere heiter-überdrehte Werbebotschaften.

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Den Band "Intisars Auto" habe ich für Egmont Graphic Novel gelettert, beim Fumetto bin ich in diesem Jahr Mitglied in der Festivaljury.
 

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