darüber hinaus (29)

Meine besten Wünsche an alle Leserinnen und Leser für das neue Jahr illustriert eine Karte Osamu Tezuka an Carl Barks. Ich konnte meinen Lesestapel in den letzten Tagen merkbar dezimieren und überlege nun, wie ich all die nebenbei angemampften Pfunde loswerde. Lesen und Essen – es passt einfach so gut zusammen...
Barks und Tezuka kannten kannten sich übrigens seit den 1940ern und waren miteinander befreundet. Und das in Zeiten des Weltkriegs.

Keine Aufregung, aber eine Bemerkung ist es wert: Sarah Burrinis "Ponyhof"-Strip zu "Pegida" ist einem Anhänger der Bewegung unangenehm aufgefallen. Der anonyme Kommentar "Comic Propaganda auf dem Ponyhof" wäre unfreiwillig komisch, wenn dahinter nicht so eine bestürzende Ernsthaftigkeit läge: Wie bei vielen seiner Gesinnungsgenossen vermischen sich auch hier  Missverständnis, Unterstellungen und eine gewisse Unbeholfenheit.

Ein wichtiges Thema: "Konservierung und Restaurierung von Comics". Charlotte Grieser spricht darüber im SWR u.a. mit Willem de Grave vom Comic-Museum in Brüssel und weiteren Papier-Experten. Im Wesentlichen unterscheidet sich die Bewahrung von Comic-Originalen nicht von der anderer Schriftstücke. In Zukunft wird digitale Archivierung sicher an Bedeutung gewinnen. Auch für Bilddaten gilt: Nur ständige Backups helfen vor Datenverlust. Ob es irgendwann zu Problemen mit Dateiformaten kommt, wird man sehen. Wer weiß, ob und wie sich in 50 Jahren Photoshop-, InDesign- oder Manga Studio-Dateien öffnen lassen... Bis dahin gilt, was ich an eigenem Computer hart gelernt habe: Macht Kopien, ständig!

Die Reddition #61 erscheint Ende des Monats und widmet sich Hermann.

Auf comicgate.de werden nun jede Woche die Beteiligten am "Fuck Yeah"-Wochenkalender vorgestellt. Den Anfang machen Max und Moritz-Preisträger Marvin Clifford und Maximilian Hillerzeder.

"Die 20 besten Comics der vergangenen 20 Jahre" zeigt der Rolling Stone auf seiner Website, darunter auch David B.s sträflich unterfeierter "Die heilige Krankheit". Ansonsten gilt, wie immer bei solchen Listen: Streiten sie jetzt.

Die "Encyclopedia of World Comics" sucht noch AutorInnen. Weitere Infos hier.

Philipp Spreckels in der Comic Kladde über "Vampir" von Joann Sfar.

Die öffentlich geführten Diskussionen der letzten Monate in den USA – zum Beispiel bei übertrieben anzüglichen Darstellungen von Frauen – haben schon gezeigt, dass es eine neue Sensibilität gibt, die auch daher kommt, dass mehr Leserinnen gibt. Das unterstreicht auch die Beobachtung der demografischen Daten von facebook, die Brett Schenker nun auf graphicpolicy.com veröffentlicht hat: "Women are fans of comics, and they are legion!". Das ist auch dem Wall Street Journal nicht entgangen, hier schreibt Jennifer Maloney über " The New Wave of Graphic Novels" – und meint damit Frauen, die diese Bücher schreiben (wie z.B. die in den USA ungemein erfolgreiche Raina Telgemeier) und Frauen, die davon angesprochen werden. Klammert man Manga einmal aus, scheint mir das auch ein Trend zu sein, der hierzulande immer unübersehbarer wird. Neben den vielen Autorinnen, die zum Teil schon lange Comics machen, gibt es nun auch immer mehr Leserinnen, die sich dafür interessieren. Dafür gibt es noch keine Zahlen, aber es wird sicher ein Trend, der an dieser Stelle noch Beachtung finden wird.
Blick in die Zauberkugel I: Vom im Wall Street Journal angesprochenen Comic aus der Feder Margaret Atwoods wird man ebenso sicher noch hören. Es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn da kein deutscher Verlag zuschlägt.

"Wunderwaffen" des Dritten Reichs sind – Achtung: Stereotyp! – wohl keine Themen, mit denen man eine weibliche Leserschaft anspricht. Ich selbst kann ein Unbehagen bei der heroischen Inszenierung ihrer technischer Überlegenheit auch nicht leugnen, kenne aber die Comics nicht genug, um das weiter zu beurteilen. Von den auf comic-report.de vorgestellten Novis des All Verlags versprechen die – wenn es denn Krieg sein muss – "Blazing Combat"-Kurzgeschichten unverfänglichere Unterhaltung. Interessant auch, dass der Verlag weiter expandiert, für 2015 sind acht Titel angekündigt.

Blick in die Zauberkugel II: Weiterhin erscheinen in Frankreich schwungweise Gesamtausgaben älteren Comics, für 2015 erwartet actuabd.com eine "Lawine der Integrale" (1, 2, 3). In den vergangenen Jahren haben bereits viele Verlage bei den oft liebevoll aufgemachten Sammelausgaben zugeschlagen und sie auf deutsch vorgelegt, da scheint das auch bei den neuen Büchern nicht unwahrscheinlich. Sowohl "Hans" wie auch "Die große Macht des kleinen Schninkel" sind so schon von Splitter angekündigt, mit der Gesamtausgabe von "Der rote Korsar" hat Ehapa auch schon begonnen. In Frankreich kürzlich erschienen ist der Sammelband der "Blueberry"-Abenteuer von Charlier & Giraud. Ob der es aber nach Deutschland schafft, ist fraglich: 1.500 Seiten in einem Band sind vielleicht einfach zu unhandlich.

Einen interessanten Blick hinter die Kulissen eines Kickstarter-Comicprojekts gewähren Erika Moen und Matthew Nolan. Aus dem Webcomics "Oh Joy, Sex Toy" (Ja, NSFW), ist dadurch ein Buch geworden: knapp $70.000 konnten sie mit ihrer Kampagne einwerben. Unterm Strich konnten sie $10.000 als Gewinn behalten. Der Versand des Buches an die Besteller/Unterstützer kostete mit rund $20.000 dabei erheblich mehr als die Produktion des Buches (Design, Druck, Lieferung) selbst. Wenn man es verkürzt sehen will, verschiebt sich auch hier ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kosten vom Buchhandel hin zu Post- und Transportunternehmen.

Zwei Mal Ronald Searle: Auf dem Blog des Karikatur- und Zeichenmuseums Wilhelm Busch in Hannover wird der Künstler und dessen in Museumsbesitz befindliches Archiv vorgestellt. Ab dem 1. Februar werden in der neuen Sammlungsausstellung Teile davon auch öffentlich zu sehen sein. Ulli Lust, derzeit auch als Professorin in Hannover tätig, war mit ihren StudentInnen im Museumsarchiv zu Gast und konnte dort einen Blick hinter die Kulissen werfen, auch auf die Bestände Ronald Searles.

Blick in die Zauberkugel III: Die Auswahlliste für den Prix France Info ist nun online: Zwölf Comics mit aktuellen Themen, darunter einige Reportagen: Ruanda 1994, Femen, Omaha Beach.  

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