darüber hinaus (26)

In Christopher Nolans "Interstellar" habe ich es noch nicht geschafft – die Meinungen darüber gehen auch recht weit auseinander. Wenn man, wie ich, sich einen Film von detaillierten Erklärsequenzen vermiesen lässt (siehe "Gravity"), sollte man den Besuch überdenken, andererseits gibt es spektakuläre Bilder und Einfälle. Mal sehen. Eine Lücke, die der Film lässt, wird nun mit einem Comic geschlossen: Christopher Nolan und Sean Gordon Murphy haben auf wired.com "Absolute Zero" veröffentlicht, das die Geschichte des Mannes auf der anderen Seite des Wurmlochs erzählt.

Ob Spider-Man, Batman, Wolverine oder Iron Man: Ein Spitzenkragen macht sich immer gut. Derzeit macht das Crossover von Superhelden, Charakteren aus "Star Wars" und flämischer Portraitmalerei die Runde. Sacha Goldbergers Photoserie kann man sich auf seiner Website ansehen.

Georg Seesslens im Freitag veröffentlichte Gedanken zum Ende des Comic-Strips in der FAZ sind lesenswert. Über seinen Hinweis, dass einen "richtigen" Strip eine Art von Alltagsbegleitung und die Variation von bestimmten Grundsituationen ausmacht, kann man streiten. Treffend ist aber seine Begründung für die Relevanz von Tageszeitungen: "Als Informationsmedium ist die Zeitung ersetzbar. Als haptisches, dramaturgisches, ikonografisches und durchgestaltetes 'Kunstwerk' für den Alltag ist sie es nicht."

"X-Men Origins: Magneto", "Darren Aronofsky’s Batman: Year One", "Guillermo Del Toro & Neil Gaiman’s Doctor Strange", "J.J. Abrams’s Superman: Flyby" – vier von zehn nicht realisierten Superhelden-Verfilmungen, die Chris Arrant auf Newsarama auflistet.

Das aktuelle Strapazin-Cover wurde noch nicht von der dreimalalles-facebook-Seite gelöscht. Erstaunlich?

Neue serielle Themencomics von Flix gibt es derzeit in Erlangen zu sehen: Nach "Da war mal was..." zur deutschen Teilung und dem weiterhin im Tagesspiegel am Sonntag laufenden "Schöne Töchter" zu Beziehungsbefindlichkeiten nun "Come as you are … and leave different", in dem er sich dem Thema Flüchtlinge in Deutschland im weiteren Sinne annimmt. Ist als Plakatausstellung im Schlossgarten und dann in der Siemens-Zentrale in Erlangen zu sehen. (Das Foto stammt von der Universität Erlangen-Nürnberg)

Auf der französischen Website des Medienhändlers fnac stehen 30 Titel zur Auswahl zum "Prix de la BD fnac 2015". Da finden sich nicht nur einige Titel, die in Deutschland im kommenden Jahr veröffentlicht werden ("L'Arabe du Futur", "Blast 4", "Das Nest 8") und einige bereits veröffentlichte Comics ("Texas Cowboys 2", "Die vier von der Baker Street 5"), die Liste erinnert auch daran, dass ja nun die Saison der Bestenlisten beginnt.

Über den Grand Prix de la critique stimmen die 79 Mitglieder der l'Association des Critiques et journalistes de Bande Dessinée (ACBD) ab. Hier die Auswahlliste. In den vergangenen Jahren hatten die JurorInnen immer wieder lesenswerte Titel ausgezeichnet, von "Bäche & Flüsse" bis "Das falsche Geschlecht".

Bei Comic-Verfilmungen ist die Erregungskurve doch immer die gleiche: Nach erster Begeisterung kommen die Zweifel. Nun ist also auch eine "From Hell"-TV-Adaption geplant. Das Buch von Alan Moore und Eddie Campbell nehme ich immer wieder gerne zur Hand und war von der Verfilmung mit Johnny Depp 2001 ziemlich enttäuscht, da kaum etwas vom Flair des Originals behalten wurde. Mit Don Murphy ist dessen Produzent auch wieder bei der TV-Serie an Bord. Grund zur Hoffnung?

Lesefutter für Theoriefrunde: Auf der Website von Daumenkinos – einem Projekt der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig – wurde nun ein Comic-Dossier veröffentlicht, in dem sich eine Reihe von Texten mit dem Thema "Comics und Graphic Novels auf Leinwand und Bildschirm" beschäftigen.

Bill Kartalopoulos' Beitrag für huffingtopost.com zeigt auf, auf welche Art Comics nicht nur sehr modern und relevant sind, sondern auch wie im Comic schon seit langem verschiedene Wahrnehmungsmodi zusammengefunden haben, die derzeit in der Untersuchung von gedruckten und digitalen Medien nebeneinander stehen: "For more than a century, comics have demonstrated a form of communication that marries the linear sequence of typography with the global perception of an internet-like matrix of simultaneous parts." Sehr richtig, sehr wichtig! Ich denke, dass im Bezug darauf, wie digitale Medien anders funktionieren als Print und wie Inhalte geschmeidig zu vermitteln sind, in Zukunft noch häufig von Comics die Rede sein wird.

Schöne Idee im neuen Spirou-Magazin: Gleich 71 Künstler tragen zum aktuellen Heft bei, in dem es Fantasio zu finden gilt. In Drei Wochen gibt es dann die Nummer 4.000. Viertausend!

Am heutigen Freitag wird in Frankreich das 54. "Spirou & Fantasio"-Album veröffentlicht. Schon der Titel "Le Groom de Sniper Alley" deutet an, dass es nicht nur lustig zugehen wird, bezieht sich Autor Yoann damit doch direkt auf die von Scharfschützen ins Visier genommene Straße in Sarajevo Anfang der 1990er. Hier gibt es Infos zum Band und ein Interview mit Co-Autor Fabien Vehlmann.
Ach ja: Für Band 55 wird die Rückkehr des Marsupilami angekündigt.

Apropos Frankreich: In Kürze wird hier schon Mawils "Kinderland" veröffentlicht.

Und apropos Comic-Magazine: Das aktuelle š! aus der kuš-Schmiede in Riga ist erschienen. Nummer 19 widmet sich dem Thema Mathematik. Beiträge der immer empfehlenswerten Anthologie stammen unter anderem von Dace Sietiņa, König Lü.Q., Laura Ķeniņš, Renee French, René Rogge & Roope Eronen.

Über seine CUNE Comics-Residency in Riga schreibt der in Berlin lebende Argentinier Berliac auf dem kuš-Blog. "Last but not least we went out for drinks, where a man who reminded me of an Aki Kaurismaki's character invited us for a round of drinks and took off without paying. I enjoyed Riga."

Auf indianquarterly.com gibt Zeeshan Khan einen Einblick in die Geschichte der Comics und die aktuelle Szene in Bangladesch: "Graphic content".

Und eine Einführung in Comics im arabischen Raum liefert der Artikel von Soraya Mayref anlässlich der Eröffnung eines Comic-Bereichs an der American University in Beirut: "Arab Comics: Fit for Academic Exploration".

Philipp Spreckels unterhielt sich mit Thomas Wellmann. Das Ergebnis kann man in der Comic-Kladde nachlesen. In Wellmanns "Pimo & Rex 2" wird es mit einem Gastauftritt eines Charakters von Nadine Redlich ein Indie-Comic-Crossover geben.

Noch ein Grund mehr, Japan zu besuchen, sind die Astro Boy-Ampelmännchen in Sagami.

In der kommenden Woche erscheint die neue Ausgabe des immer wieder empfehlenswerten Kulturmagazinbuchs testcard und darin "In Love With the Modern World. Ein virtueller Roundtable über Zustand und Zukunft des Webcomics hierzulande", moderiert von Jonas Engelmann.

"Die Zeichner und Autoren der "Graphic Novels" stören sich an der Dominanz der rein auf den wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteten "normalen" Comics und erheben den Anspruch, mehr als nur ein Genre zu sein, nämlich ein dem Film und der Literatur gleichberechtigtes Medium." Allein über diese windschiefen Annahmen könnte man einen prima Roundtable abhalten. Möchte jemand darauf antworten?

Ein Interview mit dem langjährigen Marvel-Übersetzer Reinhard Schweizer wurde im comicguide-Forum veröffentlicht. (Dank an comicgate.de für den Link)

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