Comic-Crowdfunding: Abomodell als Alternative

Crowdfunding für Comics ist auch in Deutschland angekommen: In den vergangenen Jahren gab es eine ganze Reihe von Projekten, die so durch vorab gemachte Zusagen von Unterstützern finanziert wurden. Von kleineren Projekten mit bescheidenem Zielbetrag wie die Anthologie "Alle meine Farben" über das "Schweinevogel Total-O-Rama 2" bis zum Webcomic-Phänomen "Wormworld-Saga", für das Daniel Lieske einen fünfstelligen Betrag suchte: Ganz unterschiedliche Comics erhielten so Unterstützung und nicht selten sogar weitaus mehr als ursprünglich erwartet: Die "Wormworld-Saga" konnte sogar einen Betrag erzielen, der die ursprünglich avisierte Summe von $12.000 um das Vierfache übertraf. Zuletzt war es das Graphic Novel-Projekt "Grossväterland", das mit einer Crowdfunding-Aktion auf sich aufmerksam machte. Am Ende des ursprünglichen Kampagnenzeitraums kamen großzügige $19.560 zusammen und damit rund 10% mehr als anvisiert (Das Projekt kann auch weiterhin unterstützt werden). Dass es nicht nur die Kreativen selbst sind, die um auf diesen Wegen Geld sammeln, zeigt der Jaja-Verlag in Berlin, der über startnext.de schon mehrfach um Unterstützung für die Produktion von Büchern geworben hat.

Das Prinzip der unterschiedlichen Crowdfunding-Plattformen wie kickstarter, startnext, indiegogo oder visionbakery ist weitgehend gleich: Es geht dabei um Produkte oder Events, die durch die zugesagten Summen ermöglicht werden, wobei mit steigenden Spendenbeträgen noch weitere Boni an die Unterstützer vergeben werden, im Falle von Comics zum Beispiel Signaturen, Drucke oder zusätzliche Zeichnungen. Falls ein Projekt nicht den Wunschbetrag erhält, muss das nicht das Aus bedeuten: Wie die Kampagne für den Band "Tobisch" von Joachim Brandenburg zeigt, kann auch ein unterfördertes Projekt durchgeführt werden. Aber natürlich gibt es auch Kampagnen, die nicht erfolgreich sind, wie die Kampagne für die Reprint-Reihe von Peter Wiechmann zeigt.

Neben den genannten Crowdfunding-Anbietern gehen Comic-Autoren auch eine Reihe anderer Wege, um für ihre Arbeit entlohnt zu werden: Das geht von der Einbindung klassischer Bannerwerbung über social payment-Anbietern wie flattr hin zur Direktspende zum Beispiel über paypal.

Mit Patreon ist nun ein weiterer Anbieter hinzugekommen, dessen Crowdfunding-Modell mehr auf fortlaufende Projekte und serielle Formate abzielt. Video- und Podcaster, Musiker, Comiczeichner und viele mehr suchen hier nach Unterstützung. Beträge werden hier für einen bestimmten Zeitraum, pro Teil einer Reihe oder für neue Episoden entrichtet, also zum Beispiel: Einen Dollar für einen Webcomic-Strip. Dabei kann eine monatliche Höchstgrenze festgesetzt werden. So funktioniert Patreon als eine Art Crowdfunding-Abonnement, wobei auch hier Ziele oder Boni genannt werden, wenn bestimmte Grenzen erreicht werden. Das können Exklusiv-Comics, Making-Ofs für die Unterstützer oder seitens der Anbieter auch der Erwerb besserer Ausrüstung sein.

Beispiele für erfolgreiche Patreon-Kampagnen gibt es inzwischen auch aus Deutschland: Die Videospiel- bzw. Nerd-Podcasts Insert Moin und Radio Nukular kommen hier auf monatliche Zusagen von jeweils über $1.000. Nun hat mit Sarah Burrini eine erste Comic-Autorin eine Kampagne gestartet. Sie sucht Unterstützung für ihren Webcomic "Das Leben ist kein Ponyhof". Und wie sich nach rund drei Tagen zeigt, hat sich dieser Schritt gelohnt: Es gibt derzeit Zusagen in Höhe von rund $120 – pro Strip. Natürlich bringt Burrini eine nicht unwesentliche Leserschaft mit, die sie auf diesem Weg erreicht, das Modell Patreons ist aber auch wie gemacht für die Unterstützung von Webcomic-Veröffentlichungen.

Und nicht nur das: Wie der US-Comicblog comicsbeat.com zeigt, können auch journalistische Formate auf diese Art gefördert werden. Wie ich im vergangenen Jahr bereits schrieb, ist das durchaus eine Möglichkeit, die ich mir für diese Seite offenhalten will. 

Update: Auf Patreon.com sind bereits eine Reihe deutscher Mangaka vertreten. So suchen hier zum Beispiel Mikiko Ponczek, Melanie Schober und Martina Peters Unterstützung. Trotz einiger Recherche waren sie mir ärgerlicherweise zunächst entgangen. Alle drei bitten um monatlich gezahlte Beträge.

Doch zurück zu Sarah Burrini: Im Interview erzählt sie von den Motiven, sich für diesen Weg zu entscheidenn, die  Herausforderungen, die sich dabei ergaben und die Vorteile von der Förderung via Patreon:

In der Vergangenheit hast Du schon einige Finanzierungswege ausprobiert. Hat sich das nicht rentiert oder waren die Wege einfach zu kompliziert?
Bisher hatte ich ein Paypal-Spendenmodell, den Verkauf von Merchandise und Flattr. Letzteres wurde mir in letzter Zeit etwas zu intransparent, sie haben ihre Zahlungsmethoden geändert, die Seite ist manchmal nicht erreichbar u.ä.. Bisher kamen durch Flattr ca 15-20 Euro im Monat zusammen. Was nicht verachtenswert ist, aber natürlich zu wenig, um als betriebswirtschaftlich relevantes Modell durchzugehen. Genauso verhält es sich mit den Paypal-Spenden und z.B. Bannerwerbung. Die Beträge sind nicht so hoch und vor allem zu unregelmäßig. Das Einzige, was letztendlich bis jetzt als Einnahmequelle ernst zu nehmen war, war das Honorar von Panini für die Druckausgabe.

Warum versuchst Du es nun über Patreon? (Beweggründe, Vorteile)
Patreon scheint für mich eine Plattform zu sein, die bisher am Besten auf Kreative im Netz eingeht. Im Gegensatz zu Flattr zum Beispiel wird hier der Schwerpunkt auf die persönliche Bindung von Künstler zu Konsument gelegt. Der Konsument kriegt bei Patreon mehr das Gefühl “seinen” Künstler zu unterstützen und dafür in seine Arbeit eingebunden zu sein. Es fühlt sich also tatsächlich etwas an, wie klassisches Mäzenentum, nur dass die Unterstützung dadurch funktioniert, dass anstatt einem großen Gönner die kleinere Spenden von vielen Menschen erbracht werden. Ich finde es auch ganz clever die konkrete Spendensumme zu sehen, so dass man als Unterstützer richtig mitfiebern kann, ob der Künstler auch sein konkretes Ziel erreicht. Ein weiterer Vorteil für mich als Kreativer ist die Regelmäßigkeit. Natürlich können von Monat zu Monat auch wieder Unterstützer abspringen, aber ich erhoffe mir nicht allzu große Fluktuationen.

Gab es da Vorbilder?
Es gab jede Menge Vorbilder im amerikanischen Raum. Zum Beispiel Webcomiczeichnerin Erika Moen, die für ihren "Oh Joy Sex Toy"-Comic inzwischen über $1.000 pro Comic bekommt. Davon wage ich gar nicht zu träumen. Aber es gibt auch ein paar deutsche Podcasts wie Hoaxilla, Radio Nukular, die Medienkuh oder Insert Moin, die sich vorgewagt haben. Das war insofern auch super, dass ich sie nach ihren bisherigen Erfahrungen ausfragen konnte.

Was kommt von der Summe, mit der man Dich unterstützt, bei Dir an?
Das kann ich leider noch nicht genau sagen. Patreon nimmt 5%, dann kommen noch Kreditkarten- und Paypal-Gebühren runter und es muss natürlich noch in Euro umgerechnet werden. Am Ende des Jahres muss ich es natürlich auch versteuern. Angeblich gibt es ca. 13% Abzug durch Gebühren, aber das werde ich am Ende des Monats erst so richtig konkret sehen.

Auf twitter hast Du von den Schwierigkeiten geschrieben, Boni für UnterstützerInnen zu finden. Was gilt es da abzuwägen?
Ich denke, man sollte aufpassen, dass man sich selbst nicht zu viel Arbeit mit den Rewards macht, so dass das eigentliche Ziel der Kampagne untergeht. Man unterschätzt leicht, wie viel zeitlichen und finanziellen Aufwand man z.B. mit dem Verschicken von physikalischen Belohnungen hat. Davon wurde mir auch deutlich abgeraten und ich biete stattdessen digitales Bonusmaterial, wie Wallpaper, Skizzen, Streams von meinen Zeichensessions u.ä. Die meisten Unterstützer wollen eh einfach nur helfen, viele rufen ihre Rewards noch nicht mal ab. Ich denke man sollte einfach genau kommunizieren, was man bieten kann und was nicht, so dass es einen fairen Deal mit den Unterstützern gibt.

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Abbildungen: © Sarah Burrini – Zwerchfell

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