Anmerkungen zu Comic-Förderungen

Karg ist die Förderlandschaft für Comics in Deutschland. Das soll sich ändern!

Das lasse ich jetzt einfach so stehen. Ansage. Das soll sich ändern, weil Comics es verdienen. Weil ComicautorInnen Unterstützung verdienen und sie die Wahl haben sollen, ob sie sich darauf bewerben oder sie beziehen wollen oder nicht. Weil Comicverlage sich in der Regel ebenso strecken, um AutorInnen angemessen zu bezahlen, wie sie gleichzeitig versuchen, selbst wirtschaftlich zu überleben. Weil Kultureinrichtungen institutionelle Rahmen schaffen können, um ihrerseits die Comickultur zu fördern und in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Mit einem oder zwei Blicken allein auf die verschiedenen Förderungen, Stipendien und dotierten Preise, die im Literaturbereich vergeben werden, sieht man das Defizit; Allein die Förderprogramme für Literatur des Senats Berlin umfassten 2010/11 für Projekte und Stipendien 400.000 EUR pro Jahr, nicht eingeschlossen die Förderungen von Institutionen (2,1 Millionen EUR), weitere Fördermöglichkeiten durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und dem Hauptstadtkulturfonds. Der Bund fördert auf verschiedene Arten zum Beispiel durch den Deutschen Literaturfonds und den Deutschen Übersetzerfond.

Es gibt in Deutschland fast 500 Literaturpreise, gestaffelt vom Büchner-Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist, bis zu Nachwuchspreisen. Es gibt kleinste, kleine, mittlere, große Stipendien kommunaler, föderaler, staatlicher und anderer Institutionen in nach wie vor sagenhafter Fülle. (Quelle: zeit.de)

Und das betrifft nur die Literatur: Kunst, Musik, darstellende Künste: All das lassen sich Bund, Länder, Kommunen, Stiftungen und Wirtschaft Einiges kosten. Das Göttinger Symphonieorchester wird mit 1,2 Millionen EUR pro Jahr unterstützt, davon kann man ungefähr zwei Comic-Salons in Erlangen ausrichten* (30 Ausstellungen, 200 Veranstaltungen im Rahmenprogramm, Messe, Börse, etc.). Sicher: Ein schräger Vergleich, aber einer der zeigt, mit wie verhältnismäßig wenig sogar so eine Leuchtturm-Veranstaltung zurecht kommen muss.

Die Fördermöglichkeiten für Comics und die Menschen sind sehr überschaubar: Mit Afkat-Preis, Comic-Stipendium, dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger-Stiftung, Cune-Stipendien, der Projektförderung „Comic-Kunst in München“, Initiativen der Literaturhäuser, des Goethe-Instituts und seiner Dependancen werden AutorInnen unterstützt, bzw. ihnen Beschäftigung verschafft. Das sind tolle, notwendige – und nicht immer selbstlose – Initiativen. Die Bereitschaft, Comics und ihre Macher zu fördern, ist in den letzten Jahren spürbar gewachsen. Das sollte nicht nachlassen.

Die vielfältigen Gründe (und, ja, auch einige dagegen) kann ich hier nicht darlegen. Geld ist schon mal ein guter Diskussionsanfang. Deswegen sind die Bemühungen für neue Comic-Fördermöglichkeiten und institutionelle Unterstützung grundsätzlich zu begrüßen. Und deswegen mache ich auch beim Deutschen Comicverein e.V. mit, der genau in diese Richtung arbeiten soll.

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Weil die Förderlandschaft sich nicht von heute auf morgen begrünen lässt, hier ein kurzer Überblick über aktuelle, internationale Wettbewerbe. Davon hätten zumindest einige ZeichnerInnen etwas:

  • Entrevinetas Residency (Autoren mit mindestens zwei Veröffentlichungen können sich auf ein Stipendium in Manizales, Kolumbien bewerben; Einsendeschluss: 1. August 2014)
  • Oulu Nordic Comics Competition (Comic-Wettbewerb zum Thema "Polarnacht", zu gewinnen gibt es Geldpreise von höchstens 2.500 EUR; Einsendeschluss: 15. August 2014)
  • Treviso Competition (Comic-Wettbewerb zum Thema "Brain Drain", Geldpreis: 1.000 EUR; Einsendeschluss: 14. September 2014)
  • Comics Workbook Competition (Comic-Wettbewerb mit formalen Vorgaben, Geldpreise im Höchstwert von $500, Einsendeschluss: 15. September 2014)
  • Fumetto Wettbewerb (Comic-Wettbewerb zum Thema "Übermorgen", Geldpreise im Gesamtwert von 5.000 CHF Einsendeschluss: 2. Januar 2015)
(Dank an tinymasters.eu für Ergänzungen zur Liste. Fehlt etwas? Bitte melden!)
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* Mir schwirrt die Zahl von rund 500.000 EUR im Kopf herum, die Quelle finde ich nur nicht mehr. 2006 lag der Etat bei rund 400.000 EUR, von daher sollte die Zahl ungefähr hinkommen.
Abbildungen © Fumetto & © Festival Entreviñetas

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