Reprodukt wird 25

Wenn man es denn genau nehmen will, liegt der offizielle Geburtstag schon eine Weile zurück: Gegen Ende Februar 1991 wurde Reprodukt offiziell gegründet. Gefeiert wird aber erst jetzt – eine Haarspalterei, die der Berliner Comicverlag gar nicht nötig hat, dessen Weg ich eine Weile, von 2005 bis 2014, begleiten durfte. Und das waren erstaunliche Jahre, die vom immer absurder überfüllten Büro in der Schöneberger Bülowstraße zum ExRotaprint-Gelände im Wedding führten, wo der Verlag nun bis heute sitzt. Mein eigener Werdegang mag stellvertretend für die Verlagsentwicklung stehen: Ich stieß als Praktikant zu Verlagsgründer Dirk Rehm und Jutta Harms, alle hielten wir uns mit Nebenjobs über Wasser. Über die Zwischenstation 400 Euro-Jobber ging es im Laufe der Jahre in die Festanstellung – und noch weitere KollegInnen stießen dazu. Als ich im April 2014 ging, um mich neuen Dingen zu widmen (wie dieser kleinen Website), waren ein gutes halbes Dutzend Mitarbeiter fest angestellt, dazu kam ein großer Kreis an freien MitarbeiterInnen und immer PraktikantInnen. Aus dem Kleinverlag war ein gestandener Independent-Verlag geworden, der weit über die Comicszene hinaus wahrgenommen wird.

Das sind natürlich nur die äußerlichen Fakten, im Zentrum standen immer: Die Comics.
Bücher, Alben, auch mal Hefte. Wegen denen war nicht nur ich gekommen: Wir waren Begeisterte. Ich kam als Fan, der den Verlag nach enttäuschter Superheldenliebe entdeckt hatte, und ich blieb, weil es mir so gut gefiel. Die Arbeit, die Comics, die Leute im Verlag. Eine eventuelle Universitätslaufbahn: Plötzlich egal. Man konnte sich auch einbringen: Programmsitzungen waren trotz ökonomischer Zwänge und des letzten Verlegerworts immer auch offene Veranstaltungen, in denen man eigene Titel vorschlagen konnte. (Und ich bin froh, neben einigen Kassengiften auch zumindest eine Serie eingebracht zu haben, die sich ganz gut verkauft. Vielleicht liegt es auch an mir, dass Comics immer noch „ein schwieriges Geschäft“ bleiben.) Viel gäbe es zu schreiben über die tollen Bücher, die im Laufe der Zeit bei Reprodukt erschienen sind. Das lasse ich an dieser Stelle, die weniger geeignet ist für Lobhudeleien, sondern greife mir nur mal zwei Titel aus der Backlist heraus, die aus dem sonstigen Programm herausstechen: Den schwer beklemmenden Gruselmanga „Der lachende Vampir“ von Suehiro Maruo sowie das fantastische Nicht-nur-für-Kinder-Buch „Das 23 Fünf Acht Neun“ von CX Huth, das verrückterweise immer noch nicht ausverkauft ist. To-holl! 

Die Geschichte zu CX Huths Buch, was es zu so einer Preziose macht, kann man sich am kommenden Wochenende erzählen lassen: Denn dann lädt der Verlag zum Geburtstags-Sommerfest. Los geht es am Freitag mit einer Signiersause beim frisch eröffneten Modern Graphics im Prenzlauer Berg, bei der Aisha Franz, Line Hoven, Sascha Hommer, CX Huth, Lukas Jüliger, Yi Luo, Ferdinand Lutz, Mawil, moki, Dirk Schwieger, Elke Renate Steiner, Martin tom Dieck und Lasse Wandschneider ihre zum Teil brandneuen Bücher signieren werden. Weiter geht es am Samstag auf dem ExRotatprint-Gelände, wo fast alle Beteiligten (und Mawil) noch einmal Workshops anbieten, aus ihren Büchern lesen oder über „Perspektive Junge Comics“ reden. Und um sechs spielen das großartige OMP, die beste Live-Band der Welt. Das Programm für Groß und Klein gibt es hier.

Ich stoße jetzt schon mal an.

*Ding*

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Abbildung © Mawil – Reprodukt

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