Neuerscheinungen – 16. Juni 2015

"Die Abenteuer der Minimenschen 42: Im Namen des Bruders" von Pierre Seron (Salleck)
2017 wird es auch schon 50 Jahre her sein, dass Pierre Seron mit den Geschichten über die geschrumpften Menschen begann (der letzte Band erschien 2011). Wenn ich mich nicht täusche, habe ich sie tatsächlich unter dem schrecklichen Titel "Herbie Huppser und die Mikronauten" kennen gelernt, was mich nicht davon abgehalten hat, sie neben den anderen Comics meiner Kindheit (was so in Yps und der Micky Maus erschien) besonders gern zu lesen.

"Asterix – Tour de France (Idefix-Ausgabe)" von René Goscinny & Albert Uderzo (Egmont)
Noch so ein Kindheitsding: "Asterix". Die in rund einer Woche erscheinende Sonderausgabe zum 50. Jubiläum des ersten Auftritts von Idefix erinnert noch einmal daran, wie gut die Serie gealtert ist. Kann man hier noch mal sagen, auch wenn noch eine und noch eine und noch eine Sonderausgabe nicht wirklich nötig ist.

"The Ballad of the Barefoot Bandit" von Alexandra Rügler (Jaja Verlag)
Ein realer Fall war Vorlage für diese Fluchtgeschichte, die zunächst gar nicht geeignet scheint für die Siebdruck-artige Umsetzung, die Alexandra Rügler gewählt hat. Die Probeseiten im Netz versprechen aber, dass sie doch passt.

"Battle Angel Alita: Last order 19" von Yukito Kishiro (Carlsen)
Action, Geballer, Dystopie.

"Blast 4" von Manu Larcenet (Reprodukt)
Auch dystopisch, auf seine eigene Art. Manu Larcenet bringt den gefeierten Psychothriller zum Abschluss, der mit einem so düsteren Ende aufwartet, wie es der auf über 800 Seiten erzählte Ausstieg und Abstieg Polza Mancinics verdient. Im Englischen gibt es das schöne Wort "harrowing", in dem sich "erschütternd" und "grauenhaft" verbindet. Das passt hier sehr gut.

"Blazing Combat" (All Verlag)
"Die besten Kriegscomics aller Zeiten" auf dem Cover zu bringen ist sicher etwas dick aufgetragen, aber die Geschichten aus der Feder Archie Goodwins, unter anderem umgesetzt von Frank Frazetta, Wally Wood, John Severin, Alex Toth, Al Williamson und Gene Colan, sind unbenommen Klassiker. Wobei sich die ursprüngliche Heftserie, die Mitte der 1960er in den USA erschien, als Anti-Kriegs-Reihe verstand.

"Centaur Mystery Funnies" (bsv classics)
Noch ein US-Reprint, wobei es hier nicht einmal eine US-Vorlage für diese Buchausgabe gibt. Sieben Geschichten, darunter eine aus der Feder Basil Wolvertons, zeigen, dass auf dem Heftmarkt der 1930er auch Platz war für solche schrägen Geschichten ("Speed Centaur"). Schon das wirklich schick gestaltete Cover – scheinbar der Beginne einer Serie bei bsv – lädt dazu ein, sich mit diesen Geschichten zu beschäftigen, die in eine ähnliche Kerbe wie diejenigen von Fletcher Hanks zu schlagen scheinen.

"Das echte Leben" von Cory Doctorow & Jen Wang (Panini)
Der vor allem als Journalist und Blogger (z.B. boingboing.net) bekannte Doctorow schrieb das Szenario für diese coming-of-age Geschichte, in der Gaming und Ausbeutung von "Farmern" in Fernost mit im Mittelpunkt stehen. Es gibt nicht viele Comics, die so aktuelle Tech-Themen aufgreifen.

"Donjon 111: Das Ende des Donjon" von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Mazan (Reprodukt)
Nun also der letzte Band von Sfars und Trondheims Reihe. Natürlich gibt es genug Hintertüren, die in Zukunft benutzt werden könnten, um noch weitere Geschichten zu erzählen – immerhin sind von den 300 angekündigten Alben "nur" rund 40 erschienen. Ob Sfar und Trondheim sich aber, wie in der Vergangenheit, gemeinsam mehrmals im Jahr zurückziehen werden, um neue Plots auszuhecken, darf bezweifelt werden.

"From Hell" von Alan Moore & Eddie Campbell (Cross Cult), "Daredevil: Auferstehung" von Frank Miller & David Mazzucchelli (Panini)
Weiter geht es mit den alten Stoffen: Alle paar Jahre nehme ich "From Hell"zur Hand und tauche mit Moore und Campbell ein in die düsteren Straßen Londons und in den immer weiter abdriftenden Geist des Arztes William Gull. Nun wurde der Band für das Comicfestival München in einer Softcover-Ausgabe wieder aufgelegt. Gut so. Dreht sich "From Hell" auch um das Freimaurertum, steht in "Daredevil: Auferstehung" ein weiterer merkwürdiger Kult im Mittelpunkt. In Frank Millers Mitte der 1980er mit seinem Wunschzeichner David Mazzucchelli entstandener Rückkehr zur Serie um den blinden Anwalt Matt Murdoch spielen christliche Symbole eine tragende Rolle.

"Geister der Toten" von Richard Corben (Splitter)
Lovecraft und Poe – beide sind immer für Comicvorlagen gut. Hier also Poe-Adaptionen von Richard Corben.

"Gute Nacht, Punpun 10" von Inio Asano (Tokyopop)
Der neue Band verspricht Fortschritt: Zuletzt, also in den letzten Bänden, hing Punpun knietief in einer Teenager-Depression. Jetzt trifft er Aiko, seine Flamme aus der Kindheit, wieder. 

"Die Heimatlosen" von Paco Roca (Reprodukt)
Wieder was gelernt: Spanische Kommunisten und Anarchisten schlugen zusammen mit der Résistance die Deutschen aus Frankreich zurück. Paco Roca ist einer der Zeichner, deren Stil bei jedem Buch raffinierter zu werden scheint, allein das macht Freude auf die Lektüre.

"Hexe Total 2" von Simon Hanselmann (avant-verlag)
Mit dem Humor des ersten Bandes hatten viele ihre Probleme, das wird auch der zweite Band nicht ändern. Zudem drängt sich in den drogengeschwängerten Episoden um die ziellosen Megg, Mogg & Eule mehr als im ersten Band die Depression der Protagonistin in den Vordergrund. Im besten Sinnen spannend, wie die Kurzgeschichten zwischen Kifferhumor und Verzweiflung chargieren.

"Ich, René Tardi 2" von Jacques Tardi (Edition Moderne)
Nach Kriegsende stiefelt Tardis Vaters quer durch Deutschland zurück von Pommern nach Frankreich.

"Jazam X" von diversen (Jazam)
Wie schon die zahlreichen Previews vorab zeigten, gibt es auch in der Jubiläumsnummer viel zu entdecken und ich bin mir sicher, dass man von einigen der zahlreichen ZeichnerInnen noch viel hören und sehen und lesen wird.

"Mondo 3: Leidenschaft" von diversen (Mondo)
Siehe "Jazam X" minus "Jubiläumsnummer".

"Opus 2" von Satoshi Kon (Carlsen)
Die Realität zerfällt auch im zweiten Teil von Kons "Opus". Das Ende kommt als Skizzen, da die Geschichte auch in Japan nicht in Gänze erscheinen konnte.

"Outcast 1: Im Reich der Finsternis" von Robert Kirkman & Paul Azaceta (Cross Cult)
Nach dem enormen Erfolg von "The Walking Dead" nun noch mehr Horror von Robert Kirkman.

"Pelzkugel & Ente" von Marc Boutavant (Reprodukt)
Marc Boutavant! Marc Boutavant! Marc Boutavant!

"Rocket Blues 2: Nusshusten im Sternbild Kassiopeia" von Ivo Kircheis (Beatcomix)
Als ich in München endlich etwas Zeit hatte, war der Ivo nicht am Stand. Ja mensch. Nicht nur für den neuen Teil des "intergalaktischen Abenteuer-Funny-SciFi-Road-Movies" wollte ich ihm die Crosshatch-Grossmeister-Medaille überreichen. Und zu fünf Jahren "Rocket Blues" gratulieren.

"Die Schiffbrüchigen der Zeit 1: Der schlafende Stern" von Jean-Claude Forest & Paul Gillon (Splitter)
Noch ein Klassiker: Nach der Veröffentlichung in "Schwermetall" und dann als Albenreihe bei Carlsen vor rund 25 Jahren nun die Neuauflage bei Splitter.

"Shoplifter" von Michael Cho (Egmont Graphic Novel)
Jahrzehnte überspannende Handlungsbögen, historisch-weltbewegende Themen, hunderte Seiten: All das gibt es in diesem Band von Michael Cho nicht. Es geht um die Endzwanzigerin Corrina und ihre Suche nach der Überzeugung, ihre Träume wirklich zu verfolgen. Für Graphic Novel-Verhältnisse ist diese Erzählung mit 96 großzügig gestalteten Seiten geradezu schmal, mehr braucht Cho aber auch nicht um das Lebensgefühl der Millenials treffend zu beschreiben.

"Valentina 1" von Guido Crepax (avant)
Und ein weiterer Klassiker, ebenfalls in schöner Gestaltung. Und wo wir eben bei Frank Miller waren: Bei Crepax´ schwarzweiß-Zeichnungen mag man zu erkennen glauben, wo Miller sich die Inspiration zum Beispiel für "Sin City" geholt hat.

"Von Berlin nach New York" von Tom Bunk (Comicplus+)
2008 und 2014 erschienen die autobiografischen Strip-Reihen, die dieser Band sammelt, in der FAZ. Sie erinnern daran, dass es noch an einem Buch über deutsche Comic-Geschichte mangelt, das auch den hiesigen Underground berücksichtigt.

"Comic Report 2015" (Edition Alfons)
Die Kollegen von der Edition Alfons mit ihrem Jahresband über den deutschen Comicmarkt, der gleich zehn Artikel über unterschiedliche Jubiläen enthält. "40 Jahre Knax" – wer hätte das gedacht?!

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In unregelmäßigen Abständen findet sich hier eine Auswahl von Neuveröffentlichungen. Diese sind für den Handel via MSW bzw. PPM und die weiteren Auslieferungen der einzelnen Verlage erhältlich. Leserinnen und Leser wenden sich bitte an den Händler vor Ort.

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