Fanzines (5): Bauschaum

Neben all den Fan-Veröffentlichungen, die Enthusiasten in ihrer Freizeit gestalteten und vertrieben, sollen universitäre Veröffentlichungen nicht vergessen werden. Mit der wachsenden Anzahl von HochschullehrerInnen, die selbst einen Comic-Hintergrund haben, bleibt bis heute die Anzahl der Hochschul-Zines, die im Rahmen oder am Rande von Illustrations-Klassen entstehen, erfreulich hoch. Ohne dass dafür belegbare Zahlen vorliegen, könnte man sogar behaupten, dass diese heute den Großteil der gedruckten Fanzines ausmachen. Ob an der HAW Hamburg oder der Illuklasse in Kassel: Hier entstehen Semester für Semester eine Vielzahl von Heften ganz unterschiedlicher Art. Von klassisch kopierten Fanzine-artigen Heften wie diejenigen der Goldenen Diskofaust über durchgestaltete Siebdruckhefte bis hin zu den Zusammenschlüssen in Magazinen und Anthologien wie dem "Triebwerk": Die Hochschulszene ist aktiv. Wie "Orang" oder "Spring" gezeigt haben, gelingt es manchmal auch, Reihen auch nach der Hochschulzeit weiterzuführen, das Forum für Veröffentlichungen zu erhalten. Dass sich dem Verlagsveröffentlichungen anschließen ist keine Ausnahme, sondern vielmehr Konsequenz aus der beständigen eigenen Arbeit.

Das heutige Beispiel soll da als Beispiel dienen: Das A5-Heft "Bauschaum – Comicreportagen aus dem neuen Berlin" ist eine gemeinsame Arbeit von Ulli Lust und Kai Pfeiffer und entstand 2000 während des gemeinsamen Studiums an der Hochschule Weißensee in Berlin. Diese sind nicht die ersten Comics der beiden KünstlerInnen, zeigen sie aber auf einer wichtigen Station ihres künstlerischen Werdegangs: Positionen und Herangehensweisen sind bereits zu erkennen. Ulli Lust zeigt sich am Tatsächlichen interessiert, Reportagen, in denen sie selbst auftritt, fertigte sie auch im Folgenden immer wieder an, wenn es nicht gleich autobiografisch wurde. Kai Pfeiffer (von dem unten die zwei ersten Seiten stammen) ist mehr an der illustrativ-assoziativen Auseinandersetzung interessiert, weniger an der sachlichen Erzählung, was sich bis heute zum Beispiel in seinen Arbeiten mit Dominique Goblet wiederfinden lässt.

Fun Fact am Rande: Mit ihren Studienkollegen Tim Dinter, Jens Harder, Kathi Käppel und Mawil hatten sich Lust und Pfeiffer zu Studienzeiten zur Gruppe Monogatari zusammengeschlossen. Gemeinsam realisierte man eine Reihe von Comic-Projekten wie die Reportage-Bände "Alltagsspionage" oder "Operation Läckerli" mit Beobachtungen aus Basel. Die gemeinsame Website ist, obwohl die letzte Veröffentlichung schon über zehn Jahre zurück liegt, weiterhin aktiv.

Hochschulveröffentlichungen sind für StudentInnen wichtig, als Forum für Veröffentlichungen wie als Spielplatz für die eigen Stilfindung. Auf dem Comicfestival Hamburg Ende kommender Woche werden traditionell junge KünstlerInnen der HAW und von anderen Hochschulen ihre neuen Zines präsentieren, auf die Entdeckungen kann man sich jetzt schon freuen.

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Hier geht es zu den vier weiteren Teilen der Fanzine-Reihe: 1) SI-KARTUUN, 2) Filmriss und Paranoid, 3) Schwindel #1 und 4) Kromix #2.

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