darüber hinaus (44)

Letzte Chance: Noch heute und morgen zeigt die Galerie Feinkunst Krüger die Ausstellung zu "Spring #12: Privée". Zur Eröffnung versammelten sich die Künstlerinnen der aktuellen Ausgabe vor der Kamera (v.l.): Nina Pagalies, Moki, Katrin Stangl, Larissa Bertonasco, Ludmilla Bartscht, Stephanie Wunderlich, Line Hoven, Almuth Ertl, Maria Luisa Witte, Sophia Martineck, Katharina Gschwendtner und Katia Fouquet. Was mich einmal mehr daran erinnert, wie wichtig solche Projekte wie das "Spring" sind: Sich selbst eine Plattform geben, beständig veröffentlichen, sich entwickeln. Kein Wunder, dass aus vielen der Macherinnen inzwischen anerkannte Comic-Autorinnen und/oder Illustratorinnen geworden sind. Mehr Fotos gibt es hier.

Nicht mehr bei "Spring" an Bord ist Barbara Yelin. Wie nun bekannt gegeben wurde, wird sie Anfang November mit dem Bayerische Kunstförderpreis 2015 in der Sparte Literatur ausgezeichnet. Glückwunsch zur Auszeichnung und den EUR 6.000 Preisgeld! Und schön, dass hier eine weitere Bresche für Comics geschlagen wird. CSU hin oder her, die Worte des Kunstministers Dr. Spaenle, dass er sich besonders freue, dass "in diesem Jahr zum ersten Mal der Kunstförderpreis im Bereich Comic vergeben werden konnte” lassen hoffen. Da dürfen gerne weitere Preise folgen.

Zum inzwischen achten Mal fand nicht nur unter der Leitung von Mawil und Yassine der deutsch-französische Comicworkshop in Leipzig statt, es wurden auch im Anschluss die dort entstandenen Comics in einem Heft veröffentlicht: "Schick". Das achte Heft kann nun hier gelesen und heruntergeladen werden. Schöne Beiträge, von den KünstlerInnen hört man hoffentlich noch mehr. Zu den früheren Teilnehmerinnen gehörten übrigens unter anderem Thomas Wellmann, Nadine Redlich, Tim Gaedke, Jeff Chi, Schlogger, Maximilian Hillerzeder und Yinfinity.

Die US-Website sktchd.com veröffentlichte vor einigen Tagen die Ergebnisse einer Umfrage unter Inhabern von Comicshops, die auch bei der geringen Teilnehmerzahl einige bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage förderte. Zum Beispiel gaben exakt 0% der Händler an, dass ihrer Einschätzung nach Relaunches und Neunummerierungen eine die positivste Entwicklung sind, und das obwohl über 90% eine Zunahme neuer LeserInnen attestieren – ein direkter Widerspruch zur Marktstrategie von DC und Marvel. Für Widerspruch seitens vieler Kreativer und Leser sorgte, dass nur 4,8% der Händler angaben, ZeichnerInnen seien für ihre Einkäufe von Comics der wichtigste Faktor – im Gegensatz zu 33%, die angaben, Autoren seien wichtigstes Merkmal für eine Order. Auf comicsbeat.com wurden im Gegenzug die LeserInnen gefragt, was bei ihrer Kaufentscheidung das wichtigste sei, wobei 63% angaben, dass der/die KünstlerIn maßgeblich ausschlaggebend sei. Ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Perspektiven sein können. Was für den einzelnen Leser sehr wichtig ist, ist für den Handel nebensächlich. Natürlich müsste man das quantitativer und qualitativer noch tiefgehender untersuchen um mehr daraus abzuleiten. Es zeigt ich hier aber eine Tendenz, die in Erinnerung ruft, dass Verlage, Händler, Leserschaft oftmals unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselbe Sache haben, was häufig zu schönen Missverständnissen führt. Die Händler wurden eben nicht gefragt, ob sie persönlich die Zeichnungen unwichtig finden, sondern inwiefern ZeichnerInnen ausschlaggebend für ihre Einkaufsstrategie sind.

Überhaupt wird der Markt nicht unwesentlich von Faktoren geprägt, die erst einmal wenig mit den Comics selbst zu tun haben. Dass der Erfolg der Graphic Novels nicht zuletzt ein Ergebnis der beständigen Aufbauarbeit durch die Vertriebsmitarbeiter der Comicverlage ist, wird bisher viel zu wenig erwähnt, während der Marketing-Faktor überproportional im Fokus steht. Kurz: Man kann den besten Comic vorlegen, ohne eine gute Vertriebsstruktur kommt er nicht in die Läden und nicht in die Hände der LeserInnen. Da ist auch eine Meldung bemerkenswert, wie jene, dass das Magazin Alfonz seine Fachhandelsauslieferung wechselt.

Passend dazu noch mal Graphic Novels noch mal USA: Die Buchhandelskette Barnes & Noble hat angekündigt, den Platz für Graphic Novels und Manga in ihren Filialen zu verdoppeln. Das ist mal eine Ansage.

Eine weitere Ankündigung gab es von den Inhabern von Charlie Hebdo: Alle diesjährigen Einkünfte werden ins Heft reinvestiert.

Einen neuen Comic gibt es in der FAZ: Schon Mitte Mai startete auf der Kinderseite der Rhein-Main-Ausgabe "Rappelrübe" von Raul & Rautie. Ausdrückliches Lob dafür.

Neues aus Angoulême: Die bisher mit der Organisation des jährlichen Festival beauftragte Firma 9eArt+ geht davon aus, das auch in den nächsten zehn Jahren zu machen. Nicht, weil man erwartet, dass der Vertrag mit ihnen über 2017 hinaus verlängert wird, sondern weil man davon ausgeht, dass der Vertrag mit ihnen bereits automatisch um zehn Jahre verlängert wurde. Es geht um juristische Spitzfindigkeiten: Die Stadt wollte eigentlicht einen Aufschub, um sich über die weiteren Pläne besser zu beraten, da Kritik an der Konzeption des Festivals unüberhörbar laut geworden war. Dabei ist man nun wohl nicht formal korrekt vorgegangen und hat die automatische Vertragsverlängerung nicht korrekt behindert. Auf die nächsten Schritte beider Seiten kann man gespannt sein.

In Angoulême geht es immer auch ums Geld, beim größten europäischen Festival und der Stadt Angoulême sind die Kassen nicht besonders voll. Da überrascht es umso mehr, dass es vor Ort ein Kinomuseum gibt, dass seit zehn Jahren eingerichtet, aber nicht eröffnet ist: Ein Geistermuseum, erstaunlich. Zuletzt gab es hier 2014 eine Finanzspritze von 2,5 Millionen Euro, um die Eröffnung zu ermöglichen, geschlossen ist es weiterhin.

Aus der Abteilung "Man kann es sich ja mal wünschen" noch ein weiterer Beitrag: Thomas Hummitzsch wünscht sich eine deutsche Ausgabe von "Love & Rockets". Die Comic-Serie der Hernandez-Brüder wurde Anfang der 1990er bereits als allererste Verlagsveröffentlichungen von Reprodukt auszugsweise vorgelegt, da könnte man wieder ansetzen. Oder neues Material herausbringen. Damit man sich im Freundeskreis endlich darüber streiten kann, wessen Comics beser sind, die von Jaime oder die von Beto, die "Locas" oder "Palomar"-Geschichten. Nur: Wo fängt man an bei einer Serie, die seit 1981 ununterbrochen veröffentlicht wird, in der dichte soziale Geflechte entstanden sind und in der die Charaktere altern?

Mit ihren StudentInnen besucht Ulli Lust gerne das Wilhelm Busch-Museum in Hannover. Auf dem Museums-Blog spricht sie über die Gründe dafür und was sie an Ronald Searle fasziniert.

Der in Leipzig lebende Amerikaner James Turek sucht via Patreon Unterstützung für seine Online-Zeichenkurse für Kinder. Via Youtube und weiterem Material zeigt er, wie man zeichnet. Find ich gut. Und noch weitere ZeichnerInnen können dort unterstützt werden, die ich bisher nicht erwähnt hatte: Nigunegu, Max Vähling, Mario Bühling und auch Donald Punker.

Ausverkauf: Warum der "Nicht Lustig"-Shop schliesst erklärt Joscha Sauer auf seinem Blog. Kurz: Hoher Aufwand, sinkende Produktqualität, kein Spaß mehr. Zu sehen gibt es auch eine Reihe von Merchandise-Prototypen, die es zum Glück nicht in den Handel schafften.

Nachdem kürzlich die erste Million des Iron Maiden-Biers gefeiert wurde und überhaupt die Craft Beer-Szene floriert, kommt, nachdem schon einige Comic-Zeichner und Illustratoren Etiketten veredelten, nun das erste Bier zu einer Comic-Serie: "The Walking Dead" wird von der Terrapin-Brauerei in Athens, GA mit einem "Blood Orange IPA" gewürdigt. Wenn es schon das "End of the World as we know it" ist, kann man sich dazu wenigstens gepflegt einen ballern. Prost!

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Foto Spring © Manfred Bogner, Abbildung, © Edition Alfonz, © Raul & Rautie, © James Turek
Offenlegung: Als Redakteur/Lektor war ich an der Entstehung von Barbara Yelins "Irmina" beteiligt.

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